Die Erfindung der Einsamkeit

Während der vergangenen Tage herausgefunden, dass eines der feinsten Bücher von überhaupt, Paul Austers The invention of solitude, eine einzige Lüge ist.

Denn nicht der tolle Autor hat die Einsamkeit erfunden und das schon gar nicht in New York, wo er ansäßig ist, sondern ganz offensichtlich:

die Kremser in Krems.

Es gibt de facto keine Menschen hier, mit Einbruch der Dunkelheit (jetzt mitten im Winter passiert das am frühen Nachmittag) klappen sie alles hoch, was an Gehsteigen und Straßen vorhanden ist. Möglicherweise klappen sie es am Morgen erst gar nicht herunter.

Mehr als drei Kremser habe ich hier nach 16.00 Uhr noch nie auf einem Haufen gesehen. Wenn zwei Einheimische sich treffen und ein paar Worte miteinander wechseln, geht das locker als Massenauflauf durch.

Das Uni-Viertel, sonst überall auf der Welt ein Ameisenhaufen: abends kalt, leer und finster wie das Weltall. Die Punsch-Stände im Zentrum, um diese Jahreszeit in jeder österreichischen Stadt ein praller Selbstläufer: verwaist. Die Fußgängerzone ist eine Zone ohne Fußgänger, das Irish Pub (ja, es gibt eines): praktisch unbesucht. Was allerdings auch an der Musik liegen könnte, sonst spielt man Cindy Lauper eher nirgendwo mehr.

Liegt daran, dass es so kalt ist, erklärt die Fremdenführerin das totale Nichts, normalerweise haben wir hier im Dezember grüne Wiesen und blühende Gänseblümchen.

Das kann man natürlich nicht ernst nehmen. Vermute stark, dass sie von unserer zwölf-Mann-Gruppe einfach schwer überfordert ist – so viele Menschen auf einmal hat die gute Frau sicher noch nie gesehen.

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