Ich schäle eine Orange

Immer eine beliebte Fingerübung auf Seminaren über´s gute und richtige Schreiben von Reportagen: Sie drücken dir einfach eine Orange in die Hand, sagen, du hast jetzt 1000 Zeichen frei und los geht´s – schälen, beschreiben.

An der Kremser Donau Universität handhaben sie das beim Journalismus-Studium nicht anders. Und damit die Sache, wenn jetzt schon mein Pullover hinüber ist, wenigstens praktischen Wert hat, verwende ich sie hier für den Textblog. Passt ja irgendwie.

Also, ich schäle eine Orange:

 

Es wäre schon super, manchmal, wärst du Landbewohner. Und nicht Städter. Dann hättest du nämlich so gut wie immer ein kleines Klappmesser in der Hosentasche. Die Orange zu schälen? Wäre dann kein Problem.

Aber so? Zuerst einmal den Daumen oben reinbohren, ein Loch machen, das spritzt und tropft wie die Hölle. Dann ein Eck der ansatzweise freigelegten Schale unter den Nagel reißen, anziehen, ablösen. Natürlich bricht sie irgendwo unterwegs, du kannst von vorne anfangen. Das ist so sicher wie sonst nur noch die Tatsache, dass der orange Petzner laufend Solarien frequentiert.

Die Kollegin neben mir tut sich irgendwie viel leichter. Frauen verfügen halt über Fingernägel wie Obstschwerter, in weiser Voraussicht zu praxisgerechten Orangenschälwerkzeugen manikürt. Wir Männer haben es da vergleichsweise nicht leicht, in den Niederungen des Alltags von Schreibwerkstätten.

Jedenfalls, bis das widerspenstige Ding schließlich nackt vor dir herumkugelt, ist längst der Appetit vergangen. Gewand versaut, Keyboard verpickt, Gusto im Keller. Wer will die jetzt noch essen? Ab in die Biotonne damit. Wir in der Stadt haben so etwas ja.

 

So sieht es aus. Die geschickte Kollegin ist nach Seminarende übrigens gleich in die Stadt losgedüst, Weihnachtsgeschenke besorgen. Ich wette, da ist heuer für irgendwen ein Orangenschäler bei den Packerln dabei…

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