Die Verkäuferin meines Herzens

So und nicht anders sollte ganz allgemein und ironisch betrachtet eine gute Verkäuferin sein:

Bezüglich Kleidung am besten was halbwegs Undezentes, zum Beispiel geschmackvoll eng anliegende Woll-Leggins und dazu einen nicht so richtig gertenschlanken Körper. Verkniffener Mund, nur ja kein Lächeln auf den Lippen und auf keinen Fall, auf gar keinen Fall und unter keinen wie auch immer gearteten Umständen, mehr reden als unbedingt notwendig. Kunden außerdem freundlich die Hand reichen und ihnen das Gefühl geben, dass sie willkommen sind? Ha, da könnte ja jeder antanzen – bloß nicht, sonst wollen die womöglich noch glatt was kaufen.

Davon unabhängig heute, Büroräumlichkeiten der gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft „ENW“ in Graz, Frau Puntigam als Verkäuferin, ich als potenzieller Käufer:

Die Hand schüttelt sie mir vermutlich nur, weil ich ihr wohl zu wenig Wahlmöglichkeiten gelassen habe, mit meiner unhöflicherweise einfach so hingestreckten Pranke. Nehmen´s Platz, murmelt sie so gut wie unhörbar. Weil ich den geschätzten Preis der Mietkauf-Wohnung in zehn Jahren wissen will, lässt sie sich zur entgeisterten Antwort hinreißen: Hörn´S, das müsst ich mir ja extra ausrechnen, des dauert anderthalb Stunden, sowas is mir wirklich zu mühsam.

Davon abgesehen, dass ich das Tempo ihrer Rechenkünste lieber nicht kommentiere – wer will schon heute bei Vertragsunterzeichnung wissen, wieviel Mücken er in zehn Jahren für seine neue Wohnung auf den Tisch legen wird müssen. Immerhin reden wir von um die 200.000 Euro, so eine Lappalie haben wir ja alle im Hostentascherl eingesteckt und wen juckt bei solchen Pimperlbeträgen schon die genaue Höhe, was will ich überhaupt?

Ob das noch keiner der anderen Wohnungsinteressenten gefragt hat, möchte ich wissen. Schon, sagt sie ein wenig nachdenklich, aber die haben dann doch noch alle verstanden, dass ich das nicht sagen kann. Hm. Womöglich haben sie ja auch nur rascher als ich kapiert, wes Geistes Kind ihnen da gegenüber sitzt.

Jedenfalls ist mir jetzt klar, warum alle anderen Projekte diverser Wohnbaugesellschaften in einem ähnlichen Fertigstellungsstadium, die ich mir in den vergangenen Wochen angesehen habe, praktisch schon ausverkauft waren – und dieses hier noch einen ziemlichen Haufen verfügbarer Wohnungen aufweist.

Aber Frau Puntigam wird´s schon noch irgendwie richten. Mit mir allerdings nicht, denn ich habe nach diesem Gespräch, obwohl ich es eigentlich vorhatte: nicht gekauft.

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Ein Gedanke zu “Die Verkäuferin meines Herzens

  1. Heute Nachmittag: am Telefon Alexander Daum, Direktor der ENW.Ich habe ihm einen Brief geschrieben, weil seine Mitarbeiterin das Verkaufsgespräch vor knapp einer Woche doch ein wenig kurios geführt hat. Herr Daum ist höflich, korrekt, freundlich. Eine Entschuldigung für das Verhalten seiner Mitarbeiterin gibt es zwar nicht, immerhin sagt er aber, dass ihm die Sache leid tut. Und das Bild, das er damit von seiner Firma ENW vermittelt, ist ein deutlich positiveres, als ich es nach dem Gespräch am 5. Jänner hatte. Eine Wohnung kaufen werde ich dort aber nach den gemachten Erfahrungen trotzdem nicht.Um die Entfernung dieses Blog-Eintrags bittet Herr Daum außerdem, weil die Schilderung der Kleidung der Verkäuferin doch sehr persönlich und beleidigend sei.Das tut mir leid, aber natürlich wird der Blog-Eintrag nicht entfernt. Es wiegt einfach, was es hat. Gerne jedoch zur Klarstellung – die nicht notwendig wäre, weil die Wortfolgen "…ganz allgemein und ironisch betrachtet…" sowie "…davon unabhängig…" im Blog ohnehin keine Missverständnisse aufkommen lassen:Am Anfang des Blogs wird nicht das optische Erscheinungsbild von Frau Puntigam beschrieben. Sollte es tatsächlich eine Ähnlichkeit geben: reiner Zufall und unbeabsichtigt.

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