Eine Zauberformel für Dick und Doof

Wann immer unser nationales Führungsduo (ist es wirklich zu platt, einen Vergleich mit Dick und Doof zu wagen?) auftritt, um Gemeinsamkeit statt Einsamkeit zu demonstrieren, gerät das ein wenig zur tatsächlich an das Komiker-Duo erinnernden Lachnummer. Weil dann offen zutage tritt, dass Vizekanzler  und Kanzler hauptsächlich in Bezug auf ihre Fähigkeit, die Geschicke des Landes zu lenken, etwas gemeinsam haben – besser gesagt: etwas gemeinsam nicht haben.

Dabei könnte alles möglicherweise ganz leicht sein. In Deutschland gibt es zum Beispiel eine Untersuchung der renommierten Bertelsmann-Stiftung, der zufolge sich die Kriminalitätsrate drastisch senken ließe, hätten mehr Bundesbürger einen Hauptschulabschluss. Anders formuliert: In die Bildung investiertes Geld reduziert Mord und Totschlag.

Wenn man darüber nachdenkt: Könnten wir es hier vielleicht gar mit einem der seltenen Fälle zu tun haben, in dem eine Zauberformel existiert, die auf ganz einfache Weise Probleme löst? Bloß durch Setzen von Aktivität A, um Wirkung B zu erzielen? Heißt das Zauberwort für nicht mehr und nicht weniger als alle ernsten Probleme eines Landes wie Österreich vielleicht einfach nur „Bildung“?

Zumindest einmal würde Bildung die Ausländerproblematik entsorgen, weil gebildete Menschen grosso modo weniger dumpfe Ressentiments gegenüber anderem hegen und vor Fremden keine Angst haben. Es ist kein Zufall, dass die besonders hinterfotzige heimische Xenophobie-Variante kein Thema der gut Ausgebildeten und gut Verdienenden ist (von ein paar ideologisch Ewiggestrigen einmal abgesehen).

Ein Land, das über einen breiten Fundus an Universitäts-Absolventen verfügt und damit über viel Wissen, Können und Talent, muss sich wirtschaftlich kaum Sorgen machen. Firmen, Ideen, Pioniergeist, Inspiration und Kapital fühlen sich von solchen Qualitäten nämlich magisch angezogen wie die Motten vom Licht. Unternehmungen entstehen, Jobs entstehen, Chancen entstehen – und alle, alle spülen sie Steuergeld in die Staatskassen, befeuern Land und Leute mit Enthusiasmus, fördern Freigeist, Denkertum, Ansehen und Bildung. Das ist eine Katze, die sich selbst im positiven Sinn in den Schwanz beißt. Ein Kreislauf, der sich perfekt immer und immer wieder schließt.

Der Umgang mit älteren und pflegebedürftigen Menschen? Wäre jedenfalls ein noblerer, als das heute der Fall ist. Inspirierte Gesellschaften haben ein völlig anderes Bild von der eigenen Verantwortung gegenüber Hilfsbedürftigen. Die Sicherung der Pensionen? Ein prosperierendes Land mit toller Gegenwart und glänzender Zukunft hätte mit einem Generationenvertrag nach österreichischem Muster genau null Problem. Manche Dinge zahlt man, wenn alles super läuft, quasi aus der Portokasse.

Und so weiter. Einfach nur: Bildung.

Natürlich ist das eine Frage des Erfassens vom großen Ganzen, des weiten Horizonts, der Langfristigkeit des Denkens. Mit Verharren und Erstarren in der österreichischen Beamtenstuben- Beschränktheit und von heute auf morgen geht da gar nichts. Behinderungen beim Studienzugang oder de-facto-Budgetkürzungen für Universitäten sind jedenfalls ebenso wenig hilfreich wie leere Gemeinsamkeits-Beteuerungen als Alibi und Ersatz für fehlende Führungsqualitäten.

Bildung. Unseren kurzsichtigen Politikern sollte diese Möglichkeit, bloß durch Setzen von Aktivität A Wirkung B zu erzielen, Anreiz genug sein. Verantwortung zu über- und endlich mehr, viel mehr Geld in die Hand zu nehmen. Es in Bildung zu investieren und so langfristig Geld zu sparen, das Land wieder in die Spur zu bringen. Alle Nebeneffekte könnten sie dankend mitnehmen. Womöglich sogar jenen, wiedergewählt zu werden. Es gibt in seltenen Fällen eben doch Zauberformeln, die allen helfen. Man muss sie nur anwenden.

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