Lesen? Jessas!

Bücher? Frage mich ernsthaft, ob das gedruckte Wort für die Steirer in der Steirer-Provinz nicht bereits jenseits des Tellerrandes liegen könnte. Ernst zu nehmende Buchhandlung gibt es in Graz inzwischen nur mehr eine. Der schöne alte Pock am Hauptplatz ist längst einer nullachtfünfzehn-Billigmodekette namens „Accessorize“ gewichen, beim Kienreich in der Sackstraße gibt es mittlerweile statt Büchern auf drei Etagen irgendwelche esoterischen Lebensweisheiten.

Bleibt die Buchhandlung Moser und dort ist das Personal, wie soll ich sagen: eher nicht ganz auf der Höhe der maximal denkbaren intellektuellen Ausschöpfung aller Möglichkeiten. Ich bin auf der Suche nach einem Exemplar von „Die Furche“ (jessas, eine Wochenzeitung mit intellektuellem Anspruch, und das in der Steiermark – dem Land, in dem bereits die Kleine Zeitung als Micky-Maus-Heft für Erwachsene die meisten Bürger an ihre Grenzen in Sachen Lesen führt).

Nicht leicht zu finden also, die Furche. Fünf in Richtung Neue Post, Quick, Praline und anderen Illustrierten-Schrott bestens sortierte Kioske haben mich bereits verständnislos abgewiesen (wous, Fuachn, wous sulln deis sain?).

Also zum Moser, dort gibt es tatsächlich einen halbwegs akzeptablen Bestand von Medien, sogar internationale und, bin perplex, fremdsprachige sind darunter. Die Furche? Fehlanzeige. Frage ich also eine Verkäuferin, die nicht rasend aufgeweckt in die Welt blickt und in ihrem Computer nichts findet, weil sie unter F wie „Furche“ nachsieht, während das System auch für einen Außenstehenden wie mich auf den ersten Blick erkennbar alle Titel nach direktem Artikel auflistet.

Houma neit, winkt sie zuerst bedauernd ab und grinst nach meinem Tipp, doch einmal unter D wie „Die Furche“ nachzusehen, amüsiert: Jou mai, is eih dou!

Wissen Sie, warum ich zuvor selbst in den Regalen nicht fündig geworden bin? Abgelegt haben die Spezialisten vom Moser die Politik-, Kultur-, Wirtschafts- und Feuilleton-Wochenzeitung allen Ernstes im Bereich „Gesundheit“ und nicht etwa unter „Wochenzeitschriften“, wo zum Beispiel „Die Zeit“ lagert. Irgendwer hat sich da sicher etwas dabei gedacht, aber ich will echt nicht wissen, was.

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