Samstag in A

Gestern war ein Tag der aha-Erlebnisse. Nicht nur, dass ich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder Schifahren war und festgestellt habe: Wedeln geht noch sehr gut, ist aber für die Oberschenkel irgendwie anstrengender als früher, das gute Leben halt… Werde demnächst versuchen, das vertiefend zu kontrollieren und wieder einmal in Buckelpisten und Tiefschneehänge einfahren.

Beim Frühstück las ich von jenem Wiener Taxler, der anscheinend einer schwarzen Schauspielerin direkt vor der Staatsoper die Mitnahme mit den Worten I don´t want black women in my car verweigert und sie wieder aus dem Auto geworfen hat. Soweit, so unglaublich. Das wirklich Schockierende ist neben der sonstigen nicht-Tätigwerdung der Taxi-Innung jedoch deren Begründung, warum das gar nicht stattgefunden haben kann: Wiener Taxifahrer, meint ein Sprecher der Innung, können nicht so perfekt Englisch. Abgesehen davon, dass das vermutlich sogar wahr sein könnte, ist es schon erstaunlich und entlarvend, wenn eine Interessenvertretung so offen zugibt, dass ihre Mitglieder mehr oder weniger Komplettidioten sind.

Wer in Wien schon einmal so richtig zu Gast war weiß: dort ist eine akzeptable Qualität der Dienstleistung die Sache der Bürger eher nicht. Warum sollten daher Taxifahrer in einer Touristenstadt mit Millionen Gästen pro Jahr auch halbwegs gut Englisch können? Wo kämen wir da hin. Und ehrlich jetzt – bösartiger Rassismus in einer Kommune, in der die xenophobe und tölpelhafte HCS-Partei zweitwichtigste politische Kraft ist: muss man sich über so etwas überhaupt noch wundern?

Bild: Screenshot http://www.orf.at

Die größte Überraschung aber dann am späten Abend. Zu Gast in der ZiB 24 ist: Mireille Mathieu. Österreich schickt sie zum Song Contest nach Düsseldorf! Sie hat sich überhaupt nicht verändert und sieht noch genauso aus wie in den 1970er-Jahren. Vor allem die Frisur, kein Haar liegt auch nur einen Millimeter anders. Verstehe zwar überhaupt nicht, warum man sie unter einem Pseudonym antreten lässt (Künstlername: Nadine Beiler), aber dafür ist das Liedchen wieder typisch Mireille: Es heißt „Le secrét c´est l´amour“, natürlich angliziert in „The secret is love“ (so etwas muss man tun, um heutzutage bei einer internationalen Gruselkabinett-Show wie dem Song Contest eine Chance zu haben). Und es ist genauso belanglos, seicht und grottenschlecht wie alles, was der Spatz aus Avignon früher während meiner Kindheit zum Besten gab.

Bild: Wikipedia

Ein gewisses aha-Erlebnis ist natürlich schon auch, dass der Österreich-Export zum Song Contest gleich als Studiogast Platz in einer Nachrichtensendung wie der ZiB 24 findet, während in der arabischen Welt gerade Mord und Totschlag herrschen, Sendezeit also vermutlich einigermaßen kostbar sein dürfte. Aber der ORF ist wohl immer noch mit Verve dabei, in neue Eigenvermarktungs-Dimensionen vorzustoßen. In eine Galaxie, in der noch nie zuvor ein Mensch aus A gewesen ist. Where no man has gone before, um es Song-Contest-gerecht zu sagen.

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