Melden Sie sich gerne!

Jetzt wachen die Golf-Presseaussender schön langsam wieder auf, das ist jedes Jahr Anfang März so. Zum Beispiel die Pressedame der Bekleidungsfirma Golfino.

Sie verstopft mit 13 Attachments, davon viele leider nur fast so gute Bilder, die Mailbox. Und ist in ihrem Begleitschreiben entwaffnend offen: Da ich keinen Medienbeobachtungsservice habe, schreibt sie, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir ein Belegexemplar/-link zukommen lassen, falls es zu einer Veröffentlichung kommt. Das ist originell, weil die Versender diverser PR-Botschaften ohne Qualität in der Regel nicht einfach so zugeben, dass sie unprofessionell arbeiten.

Genau so geht es jedenfalls nicht. PR-Experten unter den Textblog-Lesern werden sich vor Lachen oder Entsetzen (je nachdem, wie viel natürlichen Humor sie sich in ihrem Job bewahrt haben) sowieso bereits krümmen.

Meine Tipps zu diesem einen Satz: Erstens müssen die Absender von PR-Botschaften das Lesen der Medien schon selbst übernehmen – oder eine darauf spezialisierte Firma beauftragen. Die Anmerkung Medienbeobachtungsservice habe ich keinen führt im besten Fall dazu, dass die Empfänger der Aussendung höflich schmunzeln.

Zweitens – das ist mir ein Anliegen, weil Usus bei unglaublich vielen Agenturen, die ihre Fähigkeiten wohl mit der Abholung des Gewerbescheins (ist ja ein freies Gewerbe, das kann jeder tun) ausgeschöpft haben:

Lassen Sie alle, bitte, das mit den Belegexemplaren. Bitte! Bitte.

Warum glauben Sie nur, dass Journalisten nichts Besseres zu tun haben, als allen Menschen, die in ihren Stories vorkommen, ein Gratisexemplar der Zeitung auf eigene Kosten zuzusenden? Gehen Sie doch einfach in den nächsten Kiosk und kaufen Sie sich eine Ausgabe. Oder, siehe oben: Beobachtungsdienst engagieren, die machen das für gewöhnlich erstklassig. Außerdem: „Beleg“ – wofür? Dass man über ein Thema geschrieben hat?

Liebe coole Menschen in den Agenturen und Marketing-Abteilungen, die ihr vielleicht bei der Medienarbeit nicht so recht wisst, was ihr tut: Denkt doch in einer ruhigen Stunde einmal über die Unterschiede zwischen dem Schalten eines bezahlten Inserates in Zusammenarbeit mit der Anzeigenabteilung eines Mediums und dem Andienen einer Information an die Redaktion nach. Wann ihr Kunde seid, und wann Dienstleister. Und was das Wort „Belegexemplar“ damit zu tun haben könnte.

Ganz speziell für Sie, geschätzte Golfino-PR-Frau: Gleich zweimal verwenden Sie in Ihrem Mail folgende Formulierung: Melden Sie sich gerne, wenn Sie…

Das ist lieb gemeint, aber wie jetzt? Wenn ich mich zwar melden möchte, das jedoch nicht explizit gerne tue, sondern einfach nur im Rahmen meiner Arbeit? Wollen Sie dann nichts mit mir zu tun haben, weil ich ja Ihrer Anweisung, mich gerne zu melden, nicht Folge leiste?

Streichen Sie doch dieses schlampig verwendete „gerne“, streichen Sie überhaupt die sinnlose Aufforderung. Schreiben Sie stattdessen, wenn Sie das Wörtchen „gerne“ unbedingt unterbringen wollen, einfach nur: Für alle Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

So macht man´s nämlich, wenn man´s richtig macht.

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