Kühl, das

Können Sie sich vorstellen, aus Jux und Tollerei als erwachsener Mensch per Anhalter die grüne Insel Irland zu umrunden? Schon? Aber können Sie sich auch vorstellen, das in Begleitung eines Kühlschranks zu tun?

Kein Tippfehler, außerdem bin ich nüchtern: in Begleitung eines Kühlschranks. Da gibt es einen Typ, der hat das vor mehr als einem Jahrzehnt wirklich getan. Verlorene Wette oder so.

Tony Hawks heißt der Mann und er ist Brite – eh klar, das Vereinigte Königreich ist ja irgendwie home of the Schrulligkeit. Wie sonst hätten zum Beispiel Fish´n Chips oder Plumpudding als ernsthafte Nahrung jemals das Licht der Welt erblicken können. Oder der Prince of Wales (reich, hässlich und berühmt) einer schönen und klugen Frau wie Lady Di die Kante geben, um einer nicht ganz so beeindruckenden wie Camilla nachzurennen.

Über die Erlebnisse während seiner einmonatigen Kühlschrank-Tramperei hat Tony jedenfalls ein Buch geschrieben, das lese ich gerade. Sprachlich ist es eher nicht so toll, Shakespeare wird aus Mr. Hawks keiner mehr. Aber weil alles in Irland spielt und dort die Iren wohnen, die so sind, wie die Iren eben sind, erzählen sich die kuriosen Geschichten von der Rundreise sowieso praktisch ganz von allein.

In Strandhill bei Sligo zum Beispiel, wo sich der europäische Traumstrand aller Wellenreiter befindet, war der Kühlschrank Surfen. Ehrlich. Die Idee eines irren Iren abends im Pub, mit dem Tramper Tony gesoffen hat…

Oder: Im County Donegal rief ein hilfsbereiter B&B-Besitzer tatsächlich das Verteidigungsministerium an, um einen Hubschrauber zu urgieren, welcher Kühlschrank und Besitzer hinüber nach Tory Island verfrachten sollte. Sie können sich vermutlich vorstellen, dass das kein einfaches Telefonat war. Denn sogar in Irland sind Ministeriumsmenschen wie alle Beamte der Welt: völlig humorlos.

Eine gewisse Rolle spielt auch Gerry Ryan, Kultmoderator, mit seiner Gerry-Ryan-Show jedem aufrechten Iren ein Begriff. Vor allem seit vergangenem Jahr, als sich der beliebteste Entertainer der Insel selbst in die ewigen Jagdgründe beförderte. Die alte Geschichte vom allzeit lustigen Clown, der im stillen Kämmerlein traurig ist, wenn es niemand sieht…

Zur Zeit der kühlen Reise des „Fridge Man“ war Ryan aber noch voll auf der Höhe und hat per Radio die Tour nach Kräften promotet. „Mo chuishneoir“ heißt „mein Kühlschrank“ übrigens auf irisch. Und das Buch ist wirklich empfehlenswert, Sie werden schmunzeln bis lachen ohne Ende: Round Ireland with a fridge, Tony Hawks, Verlag Ebury House, London, 1998.

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