Der evakuierte Mensch

Ausnahmsweise und aus televisionär derzeit dutzendfach gegebenem Anlass möchte ich hier einmal das Wort des Kollegen Nink aufnehmen (wenn ich ihn überhaupt Kollege nennen darf, denn ganz anders als meine Wenigkeit ist Stefan als Autor Stammgast erstklassiger Medien wie der Zeit, der Süddeutschen et cetera).

Und es weiter tragen, auch wenn das Ganze nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen ist. Aber mich reißt es dieser Tage ebenfalls immer ein wenig, wenn die Katastrophe in den diversen deutschsprachigen TV-Kanälen wieder einmal ihren Lauf nimmt.

Es geht um das Wort „evakuieren“ und Sie ahnen jetzt vermutlich, was kommt: eine Beschwerde über die sprachliche Schlampigkeit der Mitarbeiter diverser Sender bei ihrer Japan-Berichterstattung. Auch Printmedien gehen ziemlich lose mit ihren Formulierungen rund um das Evakuieren um.

Freunde: Es ist einfach nicht möglich, Menschen zu evakuieren. Tut man´s doch, sind sie sofort tot.

Das Wort hat natürlich etwas mit Vakuum zu tun, bedeutet also ungefähr dieses: ein geschlossenes System leer machen. Klar daher: Man kann eine Stadt, eine Region, von mir aus auch ein ganzes Land evakuieren (und zwar von Menschen). Aber wenn man Menschen evakuiert, ist man entweder Gunter von Hagen mit seinen plastifizierten, in Scheiben geschnittenen Ausstellungskörpern – oder als Berichterstatter stümperhaft unterwegs.

Denken Sie daran, wenn Ihnen wieder einmal irgendein Nachrichtensprecher oder ein Reporter vor Ort in Japan weismachen will, man habe gerade 150.000 Menschen evakuiert.

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