Die surreale Noemi

Bisher dachte ich, Kevin Spacey ist der originellste Außerirdische. Vielleicht kennen Sie ja diesen Film, da spielt er einen Mann von außerhalb, der ein wenig desorientiert durch unsere Welt irrt, weil es eben nicht seine ist.

Jetzt aber habe ich Schauspielerin Noemi Fischer kennengelernt – und so wie die redet und sich gibt, wohnt sie ganz sicher auf einem anderen Planeten. Man solle nach Möglichkeit stets darauf achten, sagt sie zum Beispiel, dass man im Zentrum des Sprachaktes sitzt.

Im Zentrum. Des Sprachaktes. Sitzt!

Noemi meint damit: immer schön ordentlich artikulieren. Oder so, genau kann das wohl niemand sagen. Sie hat nämlich einen unglaublichen Hang zu überkandidelten, in sich versponnenen Formulierungen. Und, alter Schwede – egozentriert ist die! Ohne Ende.

Tolle Wortwahl auch: Der Zustand der Betroffenheit ermöglicht Zuschauern immer wieder, eine Einheit zu erfahren, die ihre existenzielle Vereinzelung zugleich apostrophiert und birgt.

Ehrlich jetzt: Sagt Ihnen das was Zusammenhängendes? Natürlich, hier fehlt der Kontext. Aber glauben Sie mir – kennt man den, macht das die Sache nicht unbedingt verständlicher.

Eigentlich sollte Noemi gekommen sein, um eine Einführung in richtiges Sprechen vor dem Radio-Mikrofon zu geben. Sie hat aber beschlossen, davon nichts wissen zu wollen. Und zieht stattdessen ihr Ding durch: Übungen, gegen die kreativste Pilates- oder Feldenkrais-Posen Teekränzchen aus britischen Mädchenpensionaten sind. Und das alles immer umschwänzelt von den fragilen Formulierungen ihrer verklausulierten Kunstsprache.

Wenn Noemi übrigens zwischendurch doch einmal Klartext redet, kann die zarte Frau ganz schön deftig austeilen: Stell dich schmäler hin, sagt sie zum Beispiel zu mir, kein Arsch ist so breit, nicht einmal deiner.

Das ist natürlich ein bissl krass, aber ich halte solche Rempler aus. Noemi umgekehrt eher nicht: Als die ersten Teilnehmer ein wenig verstört, aber halbwegs ohne Tamtam das Seminar verlassen, unterbricht Noemi sofort die schräge Performance. So gehe das aber gar nicht, klagt sie. Das schmerze sie und man möge Derartiges in Zukunft, jedenfalls bis zur Mittagspause, gefälligst unterlassen.

Bin ganz erstaunt – wenn es ans Raunzen geht, kann die scheinbar ganz normal reden.

Man muss wohl nur den richtigen Knopf bei ihr drücken, dann diffundiert die camouflierende Authentizität der Kunstmensch-Installation plötzlich ins Nirwana (hab ich also doch ein wenig Schwadronieren gelernt, in diesem Seminar). Und übrig bleibt ein Resterl weinerliches Selbstmitleid.

Weil ich jetzt aber hier so schimpfe, möchte ich fairerweise doch auf Noemis Website verweisen, dann können Sie sich selbst ein Bild machen und gegebenenfalls bei Interesse sogar buchen.

War jedenfalls ein unterhaltsamer Vormittag, gestern. Surreal, aber unterhaltsam.

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