Ein Schiff wird kommen

Wie ich an einem Tag beinahe zweimal hintereinander in die Donau gefallen wäre:

Der Job war, einen Radiobeitrag, möglichst featuresk, über den Fährmann an der Donau zwischen Dürnstein und Rossatz zu machen – am 8. April, dem ersten Betriebstag des Jahres. Leider: Genau an diesem Tag blies der Wind durch die Wachau mit ungefähr 1000 km/h, also: Fährbetrieb eingestellt.

Am Anlegeplatz daher: keiner da, nur ein Schild mit einer Telefonnummer für den Fall, dass keiner da ist. Die Nummer endete bei einem Tonband, dass es unter dieser Nummer keinen Anschluss gibt. Im Internet: eine andere Nummer, sie führte in eine namenlose Sprachbox, selbstverständlich rückruffrei. Macht aber nichts, so etwas ist Teil der Arbeit, da muss man sich halt durchfragen.

Später dann doch noch Alfred. Ein lockerer Typ, freundlich, gesprächig, Fährmann aus Berufung. Fahrgäste transportierte er an diesem windigen Tag keine, viel zu gefährlich. Aber selbstverständlich schipperte er mich nach Wunsch auf dem Fluss herum, damit ich für die Atmo-Tonspur beim späteren Schneiden alles an O-Tönen kriege, was ich haben wollte. Jetzt kann ich Ihnen sagen, es hat an diesem Tag wirklich ziemlich geblasen an der Donau. Bösartig beißende Böen außerdem – hart und plötzlich. Eine erwischte mich beim Umsetzen in der Zille voll und viel hat nicht mehr gefehlt, genau in der Flussmitte, und die Donau hätte mich gehabt.

Später dann beim Schneiden meinte Peter, beratender Ö1-Mann und erfahrener Radiomensch, dass hier und dort ein bissl Donaufließen als Hintergrundgeräusch nicht schlecht wäre. Hatte ich vorhin vor Ort nicht aufnehmen können, weil zuviel Wind auch die Mikros überfordert. Also wartete ich bis zum Abend, da wird es in der Wachau selbst an stürmischen Tage ruhiger, marschierte noch einmal hinunter zum Fluss, dort hatten sich inzwischen allerlei Spaziergänger und Radfahrer angesammelt.

Das Aufnahmegerät steckte ich unters Hemd, das schützt besser vor Wind als jeder Pelz über dem Mikro, den ich eh nicht zur Verfügung hatte. Blöd nur: Damit man auf diese Weise nah am Wasser aufnehmen kann, muss man sich in ziemlich lächerlicher Pose bücken, Bauch vorne runter, Hintern (eh viel zu breit, siehe Blog vom 7.4.) hinten raus. Sah nicht gut aus und ich hudelte ein wenig, weil die ersten Radfahrer schon begonnen hatten, sich abzuhauen. In so einer Situation gibt dann meistens eins das andere, ein rutschiger Stein findet sich immer, und zum zweiten Mal am selben Tag landete ich fast im Wasser.

Das Ergebnis des Jobs (Beitrag „The Ferryman“) können Sie sich übrigens ab sofort auf YouTube unter diesem Link in einem knarzenden, knisternden, kantigen Rohschnitt mit vielen Windgeräuschen und unangebrachten Zwischenlauten des Autors sowie zueinander schlecht gepegelten Lautstärken (also kurz: einem nur fast so guten Produkt, das in dieser abenteuerlichen Form keine Radiostation bringen würde) anhören.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s