Was man geworden ist

Weil mir heute von der Titelseite des Standard gleich zwei Arbeitskollegen von früher entgegen lachen, die jetzt Regierung sind, mache ich mir Gedanken, wohin einen das Leben so verschlägt:

Die neue Frau Innenminister war vor knapp 20 Jahren wie ich beim Signum Verlag angestellt, welcher der Industriellenvereinigung gehörte – sie als eine Art Assistentin des Chefs, ich als Redakteur des Magazins „industrie“. Heute: Magazin eingestellt, Verlag verkauft und liquidiert, Chef von damals was weiß ich wo… Die Zeit halt. Aber Johanna, daran erinnere ich mich noch, war ziemlich straight, stets locker, hatte bei Bedarf immer einen flockigen Spruch parat und trug recht gerne recht kurze Röcke. Raten Sie übrigens einmal, welche der drei ÖVP-Damen, die heute im Standard auf Seite 1 abgebildet sind, am meisten Bein zeigt.

Der Herr Vizekanzler war eher nur auf der Durchreise und vor seinem bevorstehenden Antritt als Abgeordneter zum Nationalrat in einem Traineeprogramm zwischengeparkt. Die Industriellenvereinigung hilft befreundeten Parteien gerne mit solch kleinen Liebesdiensten aus. Damals halt – keine Ahnung, wie das heute ist. Viel gesprochen habe ich mit Michael Spindelegger nicht, ein paar Small-Talk-Sätze am Gang vielleicht, weiß nicht mehr.

So ändern sich jedenfalls die Zeiten und man wird, was man eben so wird: Der eine Arbeitskollege von früher jettet heute als Außenminister und Vize-Regierungschef um die Welt, die andere Arbeitskollegin befehligt die vereinigten Bullen Österreichs. Und ich sitze beim Frühstück am Küchentisch, habe gerade eine Story über das steirische Sparbudget für das Format abgeliefert (erscheint am Freitag, wenn´s wahr ist), schreibe diesen Blog und werde danach mal auf einen Kaffee in den Stadtpark gehen, das Wetter ist so schön… Da habe ich wohl Glück gehabt, es hätte schlimmer kommen können. Hm.

Der neue Integrations-Staatssekretär übrigens (kenne ich natürlich nicht, aber weil´s irgendwie zum Thema passt) war seinerzeit eher noch nicht allzu aktiv im richtigen Leben zugange und von flockig konnte wohl bestenfalls beim Milupa-Mittagsbrei die Rede sein. Mehr als „Mama“ und „Papa“ hatte der heute junge Mann damals an Sprüchen sicher noch nicht drauf. So schnell kann´s gehen – da hast du gestern noch deine ersten Windeln beschmutzt und heute bist du schon Staatssekretär in einer Regierung geworden. Und hast eine Thematik zu schupfen, die bisher allen ganz ordentlich über den Kopf gewachsen ist. Hm, noch einmal.

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