Bräute klar machen

Tut mir leid, ich kann einfach nicht anders und muss Sie schon wieder mit einem nur fast so guten Text aus einer Presseaussendung belästigen. Diesen hier hätte ich normalerweise kommentarlos vorbei ziehen lassen, aber es geht um guten Stil und daher ist er ein Widerspruch in sich. Also, Zitat:

Der schönste Tag im Leben rückt näher und an ihm soll alles perfekt sein. Damit das gelingt hat Stil- und Etikettetrainerin Maria Th. Radinger einige Tipps parat. „Für Gesprächsstoff sorgt immer wieder die Gardarobe bei Hochzeiten“, weiß die Expertin und stellt klar: „Was die Kleidung angeht, setzt die Braut die Maßstäbe – der Bräutigam wird sich bei der Wahl seines Outfits in der Regel stilistisch an ihr orientieren. Dies gilt natürlich auch bei einer standesamtlichen Heirat.“ Für Bräute hat sich noch einen besonderen Tipp parat: „Wenn sich die Braut für ein langes, enges Kleid entscheidet, sie sonst aber lieber Jeans und flache Schuhe trägt, sollte sie vorher unbedingt probieren, sich einigermaßen anmutig und…stehlen Sie der Braut nicht die Schau, es gilt als absolut stillos, der Braut die Schau zu stehlen…

Natürlich gilt es unter Puristen auch als absolut stillos, Pressetexte in schlechtem Deutsch zu verfassen. Und noch viel stilloser ist es, sie auch zu verschicken.

Weniger eine Frage des Stils sondern mehr eine der Bildung ist es hingegen, zu wissen: „Garderobe“ schreibt man eben so, und nicht „Gardarobe“. Die „Garda“ ist was ganz anderes. Ich wünsche Verfasserin Radinger wirklich keinen Kontakt mit den gestrengen Damen und Herren der irischen Verkehrspolizei, weil im Eventualfall ist denen Etikette-Gebrabbel völlig egal.

Und was, bitteschön, soll jetzt das wieder genau heißen: Für Bräute hat sich noch einen besonderen Tipp parat. Wer oder was ist „sich“?

Ehrlich, liebe Stilberaterin Maria Th. Radinger (originell übrigens, ein „Th“ als abgekürzten zweiten Vornamen in der Namenszeile habe ich noch nie gesehen – das toppt die üblichen lächerlichen Bemühungen aller Selbstwertlosen, die für sie traurige Absenz eines akademischen Titels mit einem unmotivierten Buchstaben aufzupeppen): So hinüber wie dieser Text ist, wäre es mir lieber, sie wären eine Stillberaterin. Die Schau (nie gut: Eindeutschungen, die ein wenig wacklig sind) stehlen Sie damit jedenfalls niemandem…

Stilvolle Grüße, Ihr Klaus Jo. Puchleitner.

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