Die leisen Schönen

Immer noch bin ich dabei, für ein Golfmagazin aus touristischen Pressetexten halbwegs verständliche Meldungen zu fabrizieren. Eine Sisyphus-Arbeit.

Inzwischen vermute ich fast: Alle Menschen, die zu einwandfreiem sprachlichen Ausdruck nicht fähig oder sonstwie bestenfalls des gebrochenen Wortes mächtig sind, verbringen ihr Berufsleben im Tourismus. Manchmal ist es einfach: unglaublich.

Eine Schweizer Region beschreibt ihre Besonderheiten auf einer Website zum Beispiel mit folgendem Satz, der mich sprach- und ratlos macht:

Der Bau der Autobahn hat dazu beigetragen, dass die ersten Entdeckungen menschlicher Wesen in der Region La Gruyère im paleolitischen Zeitalter (ungefähr 12’000 Jahre vor Christus) möglich wurden.

Außerdem: In jedem drittklassigen Pressetext (erstklassige gibt es kaum) jedes zweitklassigen Hotels kann man lesen, dass es der perfekte Ort ist, um „die Seele baumeln“ zu lassen. Dazu muss man als Leser und potenzieller Urlauber derart viele „erstklassig“, „einzigartig“, „prachtvoll“, „bezaubernd“, „eindrucksvoll“ und so weiter gedanklich verarbeiten, dass man an all diese Orte nie und nimmer hinfahren möchte.

Ein Promotor eines bayerischen Schlosshotels legt dessen Besitzer-Brüderpaar gar in den Mund, dass es mit eklektizistischer Eleganz und einem glänzend warmen Lichtkonzept die überwältigende Natur zum Teil der intimen Räume machen will. Bistdunarrisch. Meine Anmerkung für den talentlosen Verfasser: Unter Eklektizismus versteht man laut Fremdwörter-Duden die unoriginelle, unschöpferische geistige Arbeitsweise, bei der Ideen anderer übernommen oder zu einem System zusammengetragen werden. Der Duden merkt sogar an, dass das durchaus abwertend gemeint sei.

Dass die uninspirierten PR-Texter es außerdem einfach nicht lernen wollen: Mit Superlativen (noch dazu banalen, die jeder verwendet, auch die direkte Konkurrenz) lockt man die Menschen nicht, man erschlägt sie.

Außen wie innen wirklich elegante Häuser üben sich sowohl bei ihrem Angebot wie auch bei dessen Bewerbung in stilvoller Zurückhaltung. Mein Tipp: Je lauter das Hotel mit Prunk, Protz und Klotz angibt, desto weniger empfehlenswert ist es.

Die Leisen sind die wirklichen Schönheiten.

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