Playlist

Früher einmal kam der berühmte Heinrich Böll auf überfüllten Schiffen, nachzulesen jederzeit in seinem irischen Tagebuch. Heute heißt Anreise nach Irland meist:

Zwei Stunden Flug, dann taucht unten die britische Landzunge von Holyhead auf, die ihre Finger begehrlich in die Irische See streckt, hinüber in Richtung Dublin, dann weißt du, ein paar Minuten noch und der Käptn beginnt mit dem Landeanflug. Hinuntersinken über die kleine Halbinsel Howth, rechts unten der Felsen Ireland´s Eye, und dann: touching irish soil.

Zeitgemäß, wie ich bin, habe ich für solche Gelegenheiten eine ganz besondere Playlist im iPod, sie heißt „Way to Irleand“, was jetzt natürlich nicht rasend originell ist.

Kaum lassen wir Liverpool tief unten hinter uns, stöpsle ich mir jedesmal das Gerät ins Ohr und starte mit der einzigartigen Version von „Come to the bower“ von den Dubliners, gefolgt von einem kleinen Gedicht, welches den britischen Admiral Nelson verspottet (echte Iren hassen alles, was britisch ist und an die unentspannten Besatzer erinnert, die sich leider noch immer nicht vollständig vertschüsst haben). Anschließend gleich noch einmal „Come to the bower“, aber in der schmissigen Variante von den Pogues.

Genau so begrüßt man dieses Land, wenn man kommt und die Sache ernst meint!

Es folgt, weil wir ja immer noch on the way sind, Tori Amos mit ihrer melodiösen Geschichte von der Anreise im alten Saab: „Ireland“. Danach noch, jetzt sind wir gleich da und wie könnte sie fehlen: Sinéad O´Connor mit ihrem Rap von der großen Hungersnot – „Famine“, als die Insel eine Million Menschen verlor, through deaths on land or on ships of emigration. Schließlich die kalifornische Band mit dem irischen Namen: Flogging Molly, „Drunken Lullabies“ (ist gar nicht so hart, wie es beim ersten Hinhören klingt).

Ziemlich punktgenau mit dem Aufsetzen geht sich dann eine kleine persönliche Hommage an Tochter Julia aus (hat dort zwei Jahre studiert), natürlich kann das nur „The Galway Girl“ in der legeren Version von Mundy mit der großartigen Sharon Shannon an der Ziehharmonika sein, aufgenommen bei einem Gig in Dolan´s Warehouse in Limerick.

Und ich schließe mit „The Ferryman“, wieder von den Dubliners. Schließlich sind wir in der Stadt, durch die der Liffey hinaus fließt, ins Meer. Dann muss ich zur Passkontrolle und wer die gestrengen irischen Uniformierten kennt, weiß, da nimmst du die Stöpsel besser aus dem Ohr, die könnten das sonst als Missachtung verstehen und persönlich nehmen…

Das mache ich jedesmal so, wenn ich nach Irland fliege, um über Golfplätze und Hotels zu schreiben – also auch vergangenen Freitag. Und heute habe ich das alles noch einmal wiederholt, einfach weil´s so super war beim Spaziergang an der Promenade von Malahide. Die Sonne schien, ein rescher Wind wehte und von drüben grüßte der großartige Linksgolf-Platz „The Island“.

Ich war so gut drauf, dass ich ziemlich laut mitgesungen habe, was ein altes irisches Ehepaar wohl ein wenig erstaunte. Emotional überdrehte Ausländer nehmen die hier aber alle ganz locker, kommt wohl öfters vor.

Das geht glatt als good craic durch.

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