Shortly I had any inconvenience

Da stand ich heute Vormittag in der U4-Station Schottenring und dachte gerade darüber nach, wie erstklassig Wiens öffentliche Verkehrsmittel sind. Du kommst mit allem überall hin, schnell und sogar halbwegs zuverlässig. Dass ab und zu die eine oder andere Rolltreppe streikt, fällt weniger ins Gewicht als der latente Grundgrant der Straßenbahn- und Busfahrer, aber macht nichts. Die Wiener Öffis sind trotzdem wirklich gut.

Vor allem freute ich mich kurz vorm Einfahren in die Station Schwedenplatz bisher jedesmal über das piekfeine RP einer Verkehrsbetriebe-Sprecherin: truly „received pronounciation“, aber das führt jetzt doch ein wenig zu weit, es handelt sich dabei schlicht um vorzüglich artikuliertes Englisch. Aussprache quasi first cream, um einen Ausdruck zu gebrauchen, wie er aus der bunten Welt von Finanzmini Fekter stammen könnte.

Die freundliche Frauenstimme, man möge hier zum Airport-Bus umsteigen, kommt vom Band. Aber dann gibt es bei den Wiener Linien offensichtlich auch noch so etwas wie einen Diensthabenden – und wie ich da so steh und denk an nix, meldet er sich plötzlich über Lautsprecher live zu Wort.

Von den Problemen rund um die U6-Renovierung erzählt er und warnt die Touristen auf Englisch vor Betriebsunterbrechungen. Ich habe das gestern Abend schon einmal gehört, der Mann befindet sich offensichtlich in einem 24-h-Dienstradl. Jetzt aber: das Englisch. Holy Moly! Er bemüht sich zwar redlich, fast habe ich ein wenig Mitleid mit ihm, jedoch: So wird das nix, jeder kann hören, dass die zwei oder drei Volkshochschulkurs-Stunden einfach zu shortly waren, wie Miss Fekter womöglich sagen würde.

Vor allem der Schlusssatz, eventuell tatsächlich ein kleiner Zungenbrecher für der Sprache völlig Unkundige, bereitet ihm ernste Probleme: We apologize for any inconvenience, holpert er vor allem bei „apologize“ durch die Buchstaben. Und zaubert ein Lächeln auf die Gesichter der Wartenden, die kosmopolit genug sind, die Verhaspler des armen Mannes mitzubekommen.

Wobei „kosmopolit“ in Österreich nach der Schotter-Mizzi jüngstem Englisch-Unterricht sowieso neu definiert werden muss. Wieder einmal.

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