Sommer halt

Ich wollte mit dem Gewerkschaftsboss sprechen, aber zunächst verwirrte mich die Sekretärin – weil sie sich einfach mit Vornamen meldete, ganz ohne „ÖGB“, ganz ohne „Büro des Präsidenten“ oder so.

Als ich um einen Rückruf bat und fragte, wann der kommen könnte (wir haben ja einen Redaktionsschluss), sagte sie, der Chef wäre in Alpbach und Genaueres unmöglich zu sagen. Ob sie mich mit der Pressesprecherin verbinden könne? Nein, könne sie nicht. Und es war leider auch nicht in Erfahrung zu bringen, ob das an fehlender Fingerfertigkeit bei der Bedienung der Telefonanlage, an selektivem Unwillen oder einer generellen Widerspenstigkeit des Universums lag.

Ich glaube ja, es hat sich um eine sommerliche Ferialpraktikantin gehandelt, die noch nicht so recht in den Gängen war.

Ganz schön schwierig war es übrigens auch, den Chefverhandler der Wirtschaft für die anstehende herbstliche Metaller-Lohnrunde ans Telefon zu kriegen. Er hänge gerade (für den Boss eines Seilbahn-Unternehmens ganz witzig) in einer Wand, sagte man mir in seinem Büro sinngemäß – der Mann war irgendwo in Vorarlberg Bergsteigen.

Ich muss aber anmerken: Schließlich haben sie alle promptest zurückgerufen und waren wirklich angenehme, bemühte Gesprächspartner – ÖGB-Chef Foglar genauso wie Doppelmayr-Vorstand Hinteregger und Industrie-Obergewerkschafter Wimmer (der mir sogar eine halbe Stunde seines letzten Urlaubstages am Hallstätter See opferte). Ich glaube übrigens nach den Telefonaten, aber das können Sie im aktuellen FORMAT eh nachlesen: Die Verhandlungen werden nicht gut laufen, Hinteregger und Wimmer mögen sich vermutlich nicht so sehr und reden sich´s miteinander eher weniger freundschaftlich. Man erinnert sich noch vage an den kleinen Eklat aus dem Vorjahr wegen der vergleichsweisen Banalität der Sitzordnung im Verhandlungssaal.

Ganz super zu erreichen ist übrigens Präsident Sorger von der Industriellenvereinigung: Weilt schon ewig – oder schon wieder, was weiß ich – in Alpbach, sein Pressesprecher auch. Wir werden sie zurückrufen, verkündet ein wenig kurz angebunden das Sekretariat in Wien – aber wann und wie und überhaupt will man nicht sagen.

Klang mir ein wenig nach Besetzungsgespräch zwischen Regisseur und ungeliebtem Schauspieler, der sich um eine Rolle bewirbt, die er nicht kriegen wird: Rufen Sie uns nicht an, wir rufen Sie an. Die Handynummer des Pressechefs der iv gibt´s für einen Journalisten auch nicht (zumindest nicht für mich), was ehrlich gesagt schon ein wenig kurios ist.

Leicht ist es auch bei vorhandenem Goodwill nicht, den Standpunkt der Industrie zu diversen Themen ins Blatt zu rücken – jetzt bin ich tatsächlich schon ein paarmal kläglich gescheitert. Kann mich nicht mehr so genau erinnern, aber ich glaube: Früher wurde in der Presseabteilung am Wiener Schwarzenbergplatz ein wenig umstandsloser agiert.

Vielleicht liegt´s aber eh auch nur am derzeit sehr heißen Wiener Sommer. Die U-Bahn, welche sonst ziemlich klaglos funktioniert, bleibt ja auch dauernd liegen…

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