Bologna

Mir ist heute wirklich langweilig. Ich könnte oder sollte (wollte aber nicht) zwar ein wenig für eine Geschichte nächste Woche vorrecherchieren, aber ich weiß nicht. Lernen für´s Masterstudium wäre auch nicht schlecht, da gibt es jetzt bald einmal eine Vorbesprechung für einen speziellen Kurs. Aber ich weiß nicht.

Immerhin hat mich der Gedanke an die Uni irgendwie zur Bologna-Reform der Studienordnungen gebracht, man schließt ja nun in den meisten Fällen statt als „Magister“ als „Master“ ab. Immerhin werden wir dabei endlich ein Stück verstaubtes Latein los, bedeutet ja eh beides dasselbe.

Für die Studenten weniger: In der Regel liegt nun ein um zwei Semester längeres Studium bis zum Abschluss vor ihnen – und das bei schlechterer Ausstattung der Universitäten und immer hilfloseren Bildungspolitikern.

Nicht fair. Erinnere mich, als ich 1985 mit Publizistik anfing: Da gab´s einige Kollegen in ihren letzten Studiums-Zügen, die waren noch in der – damals – alten Studienordnung und schlossen das Publizistik-Studium nach acht Semestern mit dem Doktorat ab. Wir in der neuen hatten auch (im Idealfall) acht Semester Publiztistik (plus acht Semester Zweitfach, bei mir eine Fächerkombi) vor uns und wurden danach Magister. Heute: sechs Semester Publizistik, dann bist du Bachelor – und noch einmal vier Semester was auch immer, dann bist du Master.

Ist fast wie im richtigen Leben: Die Sache wird nicht einfacher.

Darüber wollte ich Ihnen aber gar nicht erzählen. Sondern. Beim Nachdenken an diesem langweiligen Sonntag-Nachmittag bin ich noch auf etwas weit Dramatischeres gestoßen, das unser soziales Zusammenleben tiefgreifend verändern wird. Nämlich:

Ein ernstes und bisher völlig unterschätztes Problem wird Österreich nach Einführung der Bologna-Kriterien – und damit eben Abschaffung der meisten Magister-Titel – erst in den kommenden Jahren heimsuchen, wenn es statt Magister nur mehr Master gibt. In einem Land, in dem man bisher nie schief lag, wenn man zu jemandem „Herr Doktor“ oder „Frau Magister“ sagte – wie spricht man wen an, der zum Beispiel „Max Mustermann, MA“ ist? Oder die Witwe eines verstorbenen MSc? Ein geschleimtes „Frau Doktor“ im Café für die Witwe des Zahnarztes war ja bisher lieb gewonnene Gewohnheit für Schleimer ebenso wie für Beschleimte…

Da werden sich noch Generationen von Wiener Kaffeehauskellnern die Zähne daran ausbeissen…

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