Bin ich ein Snob?

Jetzt frage ich mich wirklich: Bin ich zum Snob geworden?

Eine Bekannte rief an, sie wollte mir sogenannte „Season Tickets“ für den Solheim Cup schenken, also freien Eintritt für die ganze Turnierwoche. Irland, Golf, die schöne Gegend rund um das Killeen Castle, den verwunschenen River Boyne und den geschichtsträchtigen Hügel Tara… Lovely Michelle, die beim Tourismusverband „Fáilte Ireland“ auf recht charmante Weise das Thema Golf betreut, hätte ich sicher auch wieder getroffen.

Aber ich habe, schweren Herzens, dankend abgelehnt.

Es ist nämlich so: Als Zuseher hast du bei sehr großen Golfturnieren bald einmal ordentlich Stress. Der Parkplatz liegt irgendwo in der Pampa. In immer überbesetzten Shuttlebussen zum Wettbewerbsgelände rammt dir schnell der rechte Nachbar den Ellbogen ins Gesicht, der linke das Knie in den Bauch. Wenn du Hunger hast, musst du deinen Platz in der 57. Reihe verlassen, von dem aus du sowieso eher nicht mehr als zwei Quadratzentimeter Fairway siehst, um dich an einer schwer belagerten Essensbude um ein verschrumpeltes Bratwürstel zu balgen (in Irland möglicherweise um Schlimmeres, das Essen dort ist ja nicht so toll). Und wenn du erst einmal, wie 29.000 andere Zuseher auch, am Gelände aufs Klo musst: Frage nicht.

Mit einer Presse-Akkreditierung, um die ich mich nicht gekümmert habe, geht es schon entspannter zu: Shuttledienst machen meistens die Courtesy Cars, wenn nicht gerade ein Spieler zu befördern ist. Essen und trinken kannst du ganz ordentlich im Pressezentrum. Um freie und gute Sicht brauchst du dir auch keine Sorgen zu machen, weil du oft eh inside the ropes mitgehen kamst – oder sonst ohnehin das feine TV-Signal der European Tour hast. Und so weiter halt…

Snobistische verwöhnte Pinkel, wir Schreiber? Für die Austrian Golf Open, die nächstes Wochenende in Atzenbrugg bei Wien stattfinden, ist mir sogar mein kleiner schwarzer BMW zu minder – immerhin hat mir eine Kollegin vor kurzem umstandslos mitgeteilt, der sei ein Arschlochauto.

Also habe ich Jaguar Österreich gebeten, mir eine Woche lang einen XJ zu leihen – was sie auch tun, weil ich daraus dann eine Geschichte mache, die Sie im nächsten „Golf aktuell“ lesen können. Es reitet sich im 300-PS-Jag halt einfach geschmeidiger am Golfplatzparkplatz ein, als im braven Dreier-BMW, in dem auch Versicherungsvertreter oder FPÖ-Politiker anreisen würden.

Aber wie eingangs gesagt – jetzt frage ich mich schon ein wenig erschrocken: Bin ich tatsächlich zum Snob geworden?

Sollten Sie das hier lesen und mich persönlich kennen: Bitte geben Sie mir einen schonungslosen Hinweis und posten Sie hier oder auf Facebook einen kurzen Kommentar. Sollten keine kommen, wäre das auch eine Art Hinweis – ja, ich bin.

In diesem Fall: Ojeh.

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