Auf hoher See

Achtung, wieder einmal Persönliches – wenn Ihnen das auf die Nerven geht, was ich voll verstehen kann, lesen Sie einfach nicht weiter und schauen Sie in ein paar Tagen wieder vorbei.

Ein wenig ist es jetzt mit diesem Wien-Graz-Dingsbums für mich schon wie damals, vor mittlerweile elf oder zwölf Jahren – und das war wirklich nicht gut.

Wenn man in zwei Städten lebt, ist das zwar spannend. Was es aber dazu auf jeden Fall bräuchte, ist eine richtige Familie an einem der zwei Wohnorte. Sonst geht das bissl Heimat, das man irgendwo vielleicht haben könnte, komplett verloren. In meinem Fall vermute ich ja immer stärker, dass sie mich seinerzeit als Baby im Krankenhaus vertauscht haben – weil: Diese seltsamen Menschen, mit denen ich verwandt bin, leben im Vergleich zu mir – oder ich im Vergleich zu ihnen – wirklich auf einem anderen Stern. Bis auf eine Ausnahme natürlich, wie ich vermute, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Kann jedenfalls nicht recht umhin, mich manchmal wie ein Papierschifferl draußen auf hoher See zu fühlen, das es mehr oder weniger unkoordiniert herumschleudert. Das eh dünne Tau zur Verankerung in dem rudimentären Rest von Hafen von früher (Graz) ist losgelassen. Auch wenn ich die Leuchtfeuer hinter mir im Nebel gut sehen kann, machnmal näher und manchmal ferner, ist rundherum offenes Meer. Und beim Hafenmeister, der seinen Job eh nie richtig erledigt hat, habe ich vor langer Zeit ausgecheckt. Früher einmal gab´s im geschäftigen Treiben der kleinen Hafenstadt durchaus eine adäquate Gastgeberin zum Wohnen auf Dauer, seit die weg ist dauernd nur Quartiergeberinnen für kurze Aufenthalte hier und da, die nichts bringen.

Graz-Bindungen werden auf diese Weise lockerer und wohl irgendwann ganz weg sein, das ist einfach so. Im größeren Hafen (Wien, sehr wohl ein bissl schöner als früher, aber alles in allem immer noch eine bescheuerte Stadt) richtig anlegen und festzurren geht auch nicht, solange das Schiff lieber woanders friedlich vor sich hin plätschern würde. Wenn in so einem Fall keine Familie da ist, die wo und wie auch immer für Verwurzelung sorgen könnte, dann ist das zwar die große Freiheit – aber ohne Basis ist die für Weicheier wie mich gar nicht so lustig.

Für manche Menschen scheint das so oder abgewandelt durchaus ebenfalls Thema zu sein. Eine Freundin erzählte mir kürzlich von ernsthaften Gedanken an die Rückkehr in eine entfernte Welt von lange vorbei, wo sie Kind war. Wenn das nur gut geht, habe ich mir gedacht. Vor ein paar Tagen traf ich einen anderen Bekannten, der trotz Familie viele Jahre zwischen Ufern pendelte und dabei krank wurde. Geht ihm wieder gut, aber jetzt denkt er ziemlich nach, was das alles soll. Ja, eh.

Frage mich eigentlich sehr wohl manchmal: Ist es das wert, nirgends zu Hause zu sein, nur damit man (in meinem Fall) nicht bei den Micky Mäusen schreiben muss, sondern das in richtig erwachsenen Medien tun kann? Und warum fällt manchen Menschen das Finden eines richtigen Zuhause, in jederlei Hinsicht, so schwer?

Mir nämlich.

Klingt für Sie wahrscheinlich ziemlich verworren, das alles, oder? Ist eh nur ein kurzeer Ausflug ins Persönliche, das nächste Mal geht dieser Blog wieder weiter wie üblich…

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Ein Gedanke zu “Auf hoher See

  1. hmmm… zu Hause zu sein ist nicht daheim! ;)Man kann eben daheim sein und sich nicht zu Hause fühlen. Blöd ist, wenn man nicht daheim ist und sich auch nicht zu Hause fühlt. Ganz blöd!

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