Das ist doch der!

Ich mag den Mann nicht, wofür er nichts kann und was ihm auch wurscht sein wird.

Das hat schon damit begonnen, dass mich die wehleidige, sprachlich wenig geschliffene und auch nur mäßig originelle Schilderung des heimischen Literaturbetriebes in „Das bin doch ich“ bloß langweilte. Thomas Glavinic – der sich ja in Wahrheit voll eingliedert und anbiedert und trotzdem mit einem Buch darüber, wie distanziert er alles sieht, die große Kohle macht. Das ist irgendwie armselig.

Nahrung für mein Vorurteil bekam ich kürzlich: Glavinic-Interview in einer aktuellen Presse-Beilage. Der Text war der übliche Kniefall vor einem Autor, der meiner Meinung nach nur groß wurde, weil sein literarisches Umfeld eher klein ist. Da fehlen einfach ausreichende Vergleichsmöglichkeiten mit Besseren. Mehr Leute wie zum Beispiel Daniel Kehlmann in Glavinics Umgebung – und er würde rasch auf seine wahre literarische Statur reduziert. (Kurios, dass gerade der aussergewöhnlich begabte Schreiber Kehlmann in „Das bin doch ich“ ständig als Referenz herhalten muss).

Glavinic ist der meiner Ansicht nach meist (fast möchte ich sagen: sträflichst) überschätzte Autor des Landes. Ärgere mich richtig beim Lesen, was er dem Presse-Redakteur in die Tastatur diktiert hat: Ich habe für nichts ein Talent außer fürs Schreiben. Ich kann wenig – außer Autofahren.

Sieht man davon ab, dass Glavinic kurz nach dem Interview einen Lamborghini für die Verlags-Kollegen von der Autorevue auf angeblich ziemlich dilettantische Weise verschrottete, ist diese Aussage ein krasses Beispiel für ein gerüttelt Maß an Selbstüberschätzung. Viel weniger Talent zum Schreiben hat auch der von mir diesbezüglich schwer verachtete MGW nicht, nur zum Beispiel.

Die Bücher des Überschätzers: ein Drama. „Der Kameramörder“ etwa – ein seichtes Nichts, richtig stümperhaft geschrieben, die Geschichte eine undifferenzierte Provokation mit gesellschaftlichen Stereotypen als Vehikel. Schon der ungeschickte Umgang mit dem Konjunktiv fällt gegenüber der genialen Handhabung durch Kehlmann in seiner „Vermessung der Welt“ um Lichtjahre ab.

Oder „Die Arbeit der Nacht“: eine Idee, wie sie schon so viele vor Glavinic hatten – und gekonnter umsetzten. Bei „Wie man leben soll“, frisch verfilmt, ist wenigstens der Titel gut, die Schreibe harmlos. „Das bin doch ich“: wie gesagt die Krönung langweilig erzählter Banalität.

So. Diese Kritik liegt mir schon seit Jahren am Herzen – jetzt bin ich sie endlich einmal losgeworden.

Zur Versöhnung, quasi von einem Grazer zum anderen: Das allererste Werk des Mannes trägt nicht nur einen erstklassigen Titel – „Carl Haffners Liebe zum Unentschieden“ ist auch eine originell komponierte, fein geschriebene und gut zurechtgeschnittene Story. Kurz: ein ausgezeichnetes Buch. Mir schleierhaft, warum der Autor danach mit dem Schreiben für Fortgeschrittene aufgehört hat.

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