Tag der Minister

Manchmal kann das, habe ich gelernt, schon passieren, wenn man über Politik schreibt – zum Beispiel mir gestern: ein Tag, eine Parteizentrale, zwei Ministerien, vier Minister, ein Staatssekretär. War schon ein wenig dicht, und das ging so:

Am Vormittag wollte die schwer gebeutelte und ziemlich konfuse ÖVP wohl wieder einmal demonstrieren, wie sehr sie das Heft in der Hand hat. Also Pressekonferenz in der Wiener Lichtenfelsgasse, angetreten: der Außenmini, die Innenmini und die Justizmini. Schon erstaunlich, wie man bei allen drei erkennen kann, wie sehr sie das ganze Gerede vor dem Gesocks (wir Journalisten) als lästige Pflicht und abzuspulende Show sehen. Stehsätze, Stehmimik, sichtlich alles eingelernt. Mit dieser grauen Lethargie gewinnen die nie eine Wahl.

Außerdem schwerer Anfängerfehler (weil ich früher Unternehmen in Sachen Kommunikation beraten habe, kenn ich mich da ja ansatzweise aus): viel zuviel Themen in eine Veranstaltung gepackt. Wenn drei Minister etwas sagen, das durchaus berichtenswert wäre, wird der Platz in den Zeitungen trotzdem nicht mehr, also bleibt vieles außen vor. Mir komplett unverständlich, warum die das nicht auf drei Tage aufgeteilt haben und dann Mittwoch, Donnerstag und Freitag mit ihren Plänen in den Medien präsent wären.

Naja, eh nicht mein Problem.

Dann in die Redaktion und Interview mit der Innenmini vorbereiten, fand am Nachmittag statt. Vor dem Eingang des Hauses stand ein Uniformierter (selbstverständlich beschnauzbartet, unsere Polizisten folgen da sichtlich einem Corporate-Identity-Kodex). Der Mann salutierte zackig, was mir bei Verkehrskontrollen nie passiert. Dafür konnten der Kollege und ich nach dem Interview nicht mehr durch die Panzerglas-Sperre hinaus auf die Gasse. Dabei waren wir echt freundlich zur Ministerin, trotzdem sperrte man uns kurzfristig ein. Ich habe ihr sogar nachgesehen, dass sie mich „Klausimausi“ nannte (echt jetzt – aber kein Naheverhältnis, wir waren nur vor vielen, vielen Jahren Arbeitskollegen und Johanna hat das damals bei mir zwecks Auf die Schaufel nehmen schon immer so gehandhabt).

Schließlich Abend, im Finanzministerium Vorpräsentation des neuen Budgets 2012. Ehrlich, ich muss das zugeben: Meine Vorbehalte gegenüber Maria Fekter und Andreas Schieder sind zu relativieren. Beide extrem kompetent, auf jede Frage der Kollegen (ich selbst war mucksmäuschenstill, weil ich kenn mich da nicht so recht aus) eine Antwort, aus der Pistole geschossen, spontan, null eingelernt.

War beeindruckt. Man merkt, dass Frau Fekter aus einem Schotterunternehmen kommt, sie kennt sich wirklich aus mit Schotter.

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