Glück

Glück, schreibt Valentina, die siebenjährige Tochter meiner Nachbarn, in ihrer ersten selbsterfundenen Geschichte, hat die Farbe Blau.

Das ist eine schöne Formulierung und weil Valentina mein Liebling ist, ist es auch für mich ein wenig Glück, dass die zwei Kinder in meinem Leben so gut Worte zu Papier bringen können. Weil nämlich Tochter Julia ebenfalls schon in der Volksschule startete, ernsthaft zu schreiben. Unvergessen ihre Wortschöpfung „der Gös“ – die männliche Variante einer Gelse (für die geneigten deutschen Leser dieses Blogs: eine Stechmücke), die in der einen oder anderen Story und Zeichnung vorkam. Julia machte auch schon als Volksschulkind Zeitung (ich hab natürlich ein Exemplar aufgehoben, Auflage damals: ein Stück) und bin richtig, richtig stolz, dass sie ganz ohne mein Zutun Jahre später, also jetzt, Journalistin wurde.

Dass ihr cooles – und abgeschlossenes – Studium „Literature and Publishing“ in Irland mich (Publizistik-Studienabbrecher und inzwischen wieder berufsbegleitender Student) entzückt, ist eh klar. Schon Glück, dass sich zumindest diese Dinge ganz von allein so geregelt haben, wie man sie geregelt hätte, hätte man das tun können.

Mit dem Glück ist das ohnehin so eine komische Sache – weil genau die, die dabei sofort an Geld und alles denken, was man sich darum kaufen kann, es nicht haben. Und die, die ihm nachjagen, es praktisch eh nie einholen. (Hm, muss zugeben: Diese drei Zeilen sind jetzt schon ein wenig platt – sorry, liebe Leser.)

Es ist einfach da, wenn´s da ist – meistens und für die meisten ist es aber nie richtig da. Das ganze Leben lang nicht. So ist das halt, seltsame Sache.

Ich hatte schon meine Momente.

Damals zum Beispiel, als ich krank war und trotzdem arbeiten musste, nach dem Job in mein präferiertes Lokal ging, die kellnernde Psychologie-Studentin Christiane mir bereits eine Orangensaft-Vitaminbombe im Kühlschrank bereitgestellt hatte und sie bei meinem Eintreten hervorholte – und ich in dem Moment wusste, das wird was. Ein paar Monate später dann Glück, als ich in der frisch bezogenen gemeinsamen Wohnung am Boden saß (noch keine echte Einrichtung) und die Gewissheit hatte: Jetzt ist es was geworden.

Pech und Blödheit natürlich, dass wir es uns durch die Finger rieseln ließen und ich seither warte, dass wieder was genauso wird und nicht nur das husch-pfusch-Dingsbums, als das es sich während der letzten Jahre dann nach kurzer Zeit immer wieder herausstellt hat. Christiane hingegen hatte Glück, Gott sei Dank: zwei Kinder inzwischen und alles schwer okay, hoffe ich.

Alltags-Glück für mich gibt´s sehr wohl ab und zu, kurz halt, aber das ist in Ordnung. Zum Beispiel gestern, als ich das Facebook-Video einer Studienkollegin sah: Der couragierte irische Wind wehte sie fast von der Kaimauer des kleinen Hauptortes der Halbinsel Howth bei Dublin – und sie stand zufällig ganz genau dort, wo ich mich jedesmal für eine halbe Stunde oder so hinstelle, wenn ich in Irland bin.

Da schaue ich dann auf das Meer hinaus, die meistens aufgewühlte und nur selten sanfte Irische See, links blinzelt das Mini-Eiland „Irelands Eye“ mir zu (man sieht´s im Video kurz), rechts die Hügel von Howth, hinter denen ich Dublin weiß. Und hinter mir breitet sich diese wunderbare Insel Irland mit ihren freundlichen Menschen, der tollen Musik und ihrer schroffen Geschichte für mich aus. Dann bin ich jedesmal ein kleines bisschen glücklich und weiß gar nicht, warum jetzt genau. So geht´s mir übrigens auch, wenn ich 200 Kilometer weiter westwärts am Kai beim Spanish Arch in Galway sitze und dem Corrib beim behäbigen Fließen in die Galway Bay zusehe.

Glück. Wie gesagt: schon seltsam, das.

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