Das Eine und das Andere

Das war so ein schöner Arbeitsweg, die letzten drei Tage.

Aus dem kleinen, feinen Hotel „Manos Premier“ hinaus auf die Chaussée de Charleroi, dann durch ein Gewirr stiller Straßen mit alten Häusern (Gründerzeit, würden wir in Österreich sagen). Vorbei an den Belgien-Zentralen des Chemie-Riesen Solvay und der IngDiba-Bank, beide überraschend unprätentiös in das alte Viertel gelegt, durch eine Straße namens „Dublin“ (Spezialservice der belgischen Hauptstadt ganz offensichtlich für mich als Besucher) über den Place de Luxembourg in das EU-Parlamentsgebäude-Ensemble im XXXXXL-Format hinein.

Der „Lux“ übrigens, wie das Parlamentsvolk liebevoll zu dem kleinen Platz sagt, vor und in dessen Bars und Restaurants sich an lauen Tagen nach getaner Arbeit Tausendschaften von Abgeordneten und Angestellten zu einer abendlichen Spaßgesellschaft mixen: eine nette Sache.

Heute wieder Wien, zuerst die meist maroden Wägen des 40er oder 41er, dann U2 und U4, über den Kanal hinüber in den Media Tower, der architektonisch nicht einmal mit dem monströsen Zuhause des EU-Parlaments mithalten kann. Die Arbeit (bei uns am Erscheinungstag Freitag immer halbwegs entspannt) ist auch ein bissl eintöniger als die vielen Gespräche der letzten Tage in Brüssel: Das beschrankte Österreich mit seinen Kleinkarierten in der Politik und den nur fast so Guten in der Wirtschaft ist doch irgendwie provinzieller, als die recht kosmopolite Brüsseler Welt.

Mir fällt das Enge im Land jede Woche aufs Neue auf, wenn ich aus Brüssel heim ins kleine Österreich fliege, hörte ich vorgestern aus MEP-Munde. Kann ich voll verstehen – es ist kurzzeitig ein wenig frustrierend, wenn du plötzlich wieder im Micky-Maus-Format denken und handeln musst, obwohl du gesehen hast, wie es auch größer und offener ginge.

Stichwort größer: Nach der Sache mit unserem Handaufhalter Ernst Strasser hat das EU-Parlament gestern nach rekordkurzer Beratungszeit von nur zehn Wochen einen Verhaltenskodex für seine Abgeordneten beschlossen. Die dürfen nun de facto nichts mehr nehmen, müssen alles an Nebenbeschäftigungen melden, sonst: fliegen sie raus, zumindest wenn es blöd hergeht.

Und wiederum der Blick ins Kleine: In Österreich braucht es eine Privatinitiative wie respekt.net um aufzudecken, was unsere Parlamentarier so nebenbei alles tun, ohne es zu melden, obwohl sie müssten. Und selbst dann ändert sich: genau nichts. Nicht in zehn Wochen und vermutlich auch nicht in zehn Jahren.

Weil: Das eine ist Europa, das andere ist Österreich.

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