Sonntag, Busspur

War heute gleich nach dem Aufstehen am Weg ins Caféhaus, ich mache das gerne – wenn´s schon zum Literaten nicht reicht, kann man ja wenigstens so frühstücken, als wäre man einer.

50 Meter vor mir entsteigt einer unserer braven Ordnungenhüter in Komplettadjustierung, beschnurrbartet selbstverständlich, einem Privatauto und macht sich an der Stoßstange zu schaffen. Erst beim Näherkommen sehe ich: Hat sich was mit privat, vorne unten ist ein Radargerät montiert und der Wagen innen mit Equipment vollgestopft, also: Zivilstreife, Falle für alle.

Dass der silberne Skoda auf einer Busspur geparkt ist, könnte unter Umständen auch am Sonntag und selbst für Bullen im Falleneinsatz verboten sein, immerhin ist ja nicht unbedingt Gefahr im Verzug. Hingegen gefällt mir: Unsere tapfere Exekutive ist zwar inkognito in einem Zivilfahrzeug unterwegs, sitzt aber in voller Montur drin, was die Tarnung irgendwie aufweicht.

Außerdem, das Kennzeichen: „LB 752 BD“ – das ist natürlich auch nur eine fast so gute Camouflage, immerhin könnte man das BD ja durchaus als „Bundespolizeidirektion“ interpretieren (das P für Polizei haben sie sichtlich weggelassen, damit zumindest die Dümmsten im Land darauf reinfallen). Wir lernen also: Skodas (wohl aus Budgetgründen sind fast alle Zivilfahrzeuge der Verkehrspolizei Skodas), deren Kennzeichen auf „BD“ enden, sind mit Vorsicht zu genießen.

Irgendwie mag ich sie eh, die heimischen Bullen – sie sind zwar insgesamt schon ein wenig patschert, geben aber sicher ihr Bestes.

Und mit dem demnächst geänderten Sicherheitspolizeigesetz wird ihnen nun auch ein wenig unter die Arme gegriffen: Sie dürfen künftig Handy-Ortungen quasi nach Gutdünken und auf Verdacht (den hat ein Polizist bald einmal) durchführen. Zur Prävention von Suiziden, argumentiert die Innenmini, man könne dann nämlich die Handys der Begleiter von Selbstmördern am Weg zum Exitus orten und rechtzeitig zur Stelle sein.

Das hat natürlich was, weil ja bekanntlich alle Selbstmörder eine Begleitung dabei haben, wenn sie sich irgendwo um die Ecke bringen möchten. Wer sich diese Rechtfertigung ausgedacht hat, ist möglicherweise beim Parken auf einer Busspur dem rechtmäßigen Benützer ein wenig unter die…

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