Die europäischen und die österreichischen Österreicher

Im Prinzip ist es ein Schock. Wenn man mit Menschen spricht, die international zugange sind, und dann hört, was von den heimischen Politikern und überhaupt den Österreichern zu Hause im rot-weiß-roten Schrebergarten so von sich gegeben wird, dann möchte man am liebsten: auswandern.

Der Weitblick der Landsleute im Land endet für gewöhnlich an der ersten lokalen Biegung.

Ich traf kürzlich Hannes Swoboda, Vizechef der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament und bald wohl deren Nummer 1. Der ist alles andere als ideologischer Umtriebe unverdächtig, trotzdem ist er ein europäischer Österreicher. Redet so, denkt so und springt auch über seinen Schatten, wenn es in der Sache Sinn macht. Dass zum Beispiel Eurobonds und eine gemeinsame Fiskalpolitik für die europäischen Staaten notwendig sind, ist ihm völlig klar – und das sagt er auch, obwohl es für einen aufrechten Sozialdemkraten ungefähr so verabscheuenswürdig sein muss, wie für den Teufel das Weihwasser. Aber Swoboda verbringt wohl zu viel Zeit draußen in Welt, um den heimischen Kleingeist nicht abgelegt zu haben.

Nach einem europäischen Österreicher in Brüssel hört man dann zu Hause wieder den lächerlichsten aller Kanzler reden – und dazu den Außenmini, der sich hauptsächlich im Innendienst befindet. Zwei österreichische Österreicher.

Und flugs ist einem wieder klar, warum bei uns alles auf so schreckliche Weise schief läuft. Irgendwie haben es zwei Dilettanten geschafft, sich an die Spitze des Landes durchzulavieren. Und mit Gauklern kannst du einfach keinen Staat machen, nicht einmal einen so kleinen wie Österreich.

Besonders symptomatisch für alles, was hierzulande klein ist, kamen mir kürzlich die österreichischen Österreicher von Österreich (der Zeitung) vor: Während vergangenen Mittwoch in Brüssel die europäischen Regierungschefs eintrudelten, um über die Zukunft des Kontinents zu reden, und alle Tageszeitungen das in der einen oder anderen Form als Aufmacher brachten, hüllte Österreich seine Seite 1 in einen Anzeigenmantel mit Werbung für Weihnachtseinkäufe.

Da sieht man gleich, wer welche Prioritäten setzt. Für einen Musikantenstadler wäre das natürlich ganz okay, der muss es nicht besser wissen. Die Chefredaktion einer Tageszeitung eigentlich doch. Obwohl, im Falle Österreich, was weiß man schon.

Das Schlimme ist: Ich weiß – wie wohl alle anderen nicht-Musikantenstadler im Land – gar nicht, was man dagegen tun könnte.

Bis vor kurzem hätte ich ja noch gesagt: in Gottes Namen dann halt die Grünen wählen, die sind wenigstens anständig und halbwegs verantwortungsvoll. Aber jetzt junktimieren sie tatsächlich die Austro-Schuldenbremse im Verfassungsrang, die im Interesse des Landes und einfach notwendig ist, mit Vermögensteuern. Die eine ideologische Frage sind, nicht mehr und nicht weniger, man kann genauso dafür wie dagegen sein. Aber keinesfalls haben sie Wesentliches mit der Bewältigung von Europas Krise zu tun.

Jetzt sind die auch noch österreichische Österreicher geworden und kämpfen um politisches Kleingeld statt um unsere Zukunft. Es wird wirklich schwierig.

Advertisements

4 Gedanken zu “Die europäischen und die österreichischen Österreicher

  1. Danke dafür – wie immer brillant. Mit Deiner Meinung über die Vermögenssteuer bin ich aber nicht einverstanden – sie würde dazu beitragen, die Lasten, die uns diese lächerliche Regierung wie alle anderen davor aufbürdet, ein wenig gerechter zu verteilen. Das wäre ein Solidaritätsakt den "kleinen Leuten" gegenüber, der uns letztlich allen zugute käme.Liebe Grüße,dercoolste (zumindest auf Facebook 😉

  2. "Eine Vermögenssteuer wäre damit auch ein probates Mittel gegen die Schuldenkrise, deshalb haben die Grünen m.M.n. auch Recht, die beiden Themen in einem Kontext unterzubringen", wollte ich eigentlich noch dazusagen 😉 …

  3. Warum braucht Österreich (auch) Vermögenssteuern?Jeder, der in diesem Land halbwegs einen Taschenrechner bedienen kann, weiß, dass es neue Massensteuern (zB. Erhöhung MwSt) geben muss, um auch nur irgendwie in die Nähe der angepeilten Sparziele zu kommen.Vor dieser ohnehin kommenden überproportionalen Belastung der kleinen und mittleren Einkommensgruppen, wären Vermögenssteuern – und ihr zugegeben kleiner Beitrag zur Budgetsanierung – erstens ein Zeichen des Anstandes und, zweitens, auch dazu geeignet, die Einkommensschere in Österreich, nach eh erst 25 Jahren, wieder ein klein wenig zu schließen.Stufenweise Abschaffung des Einheitswertes bei der Bemessung von Grundsteuern, wäre ein weiterer wichtiger Schritt. KÖST vorübergehend wieder dorthin erhöhen, wo sie bereits war, würde uns auch nicht umbringen – und das sage ich als Unternehmer.

  4. Ideologie – man kann für Vermögensteuern sein oder dagegen. Ich bin übrigens dafür – aber nicht für das schlitzohrige Konzept von ÖGB und SPÖ.Kleine und mittlere Einkommensgruppen würde eine Vermögensteuer nicht entlasten. Die Mehrwertsteuer anzuheben wäre eine Notmaßnahme, für die es keinen Grund gibt – das würde die Inflation ankurbeln, den Konsum bremsen. Höhere KöSt? Wäre ein dramatischer Nachteil für den Wirtschaftsstandort, würde indirekt vermutlich mehr kosten, als sie bringt. Aus meiner Sicht: kein Grund für steuerliche Maßnahmen. Es gäbe soviel zu sparen – eine Gesundheitsreform würde mindestens 5 Milliarden bringen – pro Jahr. Die Anhebung des Pensionsalters um fünf Jahre auf OECD-Schnitt ebenfalls. Eine Verwaltungs- und Föderalismusreform 2 Milliarden pro Jahr. Macht 12 Milliarden, von denen könnten wir ein Viertel in die Bildung stecken und hätten trotzdem kein Defizit mehr.Den Einheitswert abschaffen hieße, es gäbe dann überhaupt keine Grundsteuern mehr. Eine längst überfällige Anpassung hingegen brächte weitere Milliarden.So ungefähr halt…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s