Im Fieberwahn

Jetzt war ich eine Woche lang krank, wilde Virusgrippe, und habe lediglich zwischen dem vielen Schlafen und dem vielen Kopfweh versucht, punktuell dem Tagesgeschehen zu folgen. Dabei kamen mir Dinge unter, die ich klar dem Fieberwahn zugeschrieben habe:

Wien hätte eine Sexschule bekommen sollen, habe ich irgendwo mit verquollenen Augen gelesen, aber dann war dem doch nicht so. Hat sich nämlich herausgestellt, Sie haben das sicher selbst auch gehört oder gelesen: Es handelte sich um eine Art PR-Aktion, einen Fake, einen Hoax, der Gruppe „Junge Industrie“, angesiedelt in der hochbiederen Industriellenvereinigung.

Ich kenne die noch aus meiner Zeit als industrie-Redakteur halbwegs gut: Das sind in der Regel jene höheren – und oft gar nicht mehr ganz jungen – Söhnleins und Töchterleins der Altindustriellen, die auch mitspielen wollen, aber irgendwie nicht dürfen, weil sie nicht erwachsen genug geworden sind. Weil die meist in zumindest finanziell geschütztem Umfeld aufgewachsen sind, haben sie manchmal nicht so richtig eine Vorstellung von den echten Problemen des Lebens und denken sich vieles ein wenig, nun ja: unkomplex. Also kann es schon sein, überlegte ich fieberdelirierend, dass die auf die Idee kommen, eine Sexschule zu faken, um auf die Probleme des maroden österreichischen Pensionssystems aufmerksam zu machen. Hängt zwar nicht so richtig zusammen, aber was soll´s, sind ja im Herzen noch Kinder…

Netter Gag, unter industriellen Söhnen und Töchtern jedenfalls. Da werden die Erwachsenen am Wiener Schwarzenbergplatz sicher sehr gelacht haben.

Dann ist mir irgendwie über Facebook zu Augen und Ohren gekommen: eine Weihnachtsgrußkarte der Kolleginnen des formidablen Magazins „Woman“. Heilige Scheiße!, musste ich mir denken, Gott sei Dank habe ich hohes Fieber und wenn ich wieder gesund bin, ist das eh verschwunden. Entschuldigen Sie bitte die Fäkalsprache, aber in diesem Fall, ehrlich…

Außerdem habe ich irgendwie am Rande mitbekommen, dass sich der Außenmini nicht entblödet hat, mit dem Unsäglichen ernsthaft über eine Zusammenarbeit beim patschert angegangenen Regierungsprojekt „Schuldenbremse in die Verfassung“ – also über eine durchaus staatstragende Sache – verhandeln zu wollen. Schlimm, dachte ich mir, dass sich diese inzwischen schon ein wenig lächerliche ÖVP immer wieder dazu hinreißen lässt, mit dem Bodensatz der Unanständigkeit zu kokettieren. Aber Gott sei Dank, eh alles nur Einbildung, das Fieber, kein wirkliches Problem…

Aber jetzt – bin wieder halbwegs gesund und muss feststellen: Das ist alles wirklich passiert. Was nun?

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Ein Gedanke zu “Im Fieberwahn

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