Heute Wirres

Eines der vier Überraschungsgeschenke war die „Monadologie“ von Leibniz. Ein ziemlich schwieriger Text, im Nachwort heißt es zum Beispiel: …in der Tat werden dem Leser in dieser kleinen Schrift geistige Anstrengungen zugemutet, auf die…

Erklären kann man die 90 Ausführungen des großen Philosophen in der Kürze eigentlich nicht, es geht in etwa darum, das alles Ganze aus kleinsten Teilchen besteht, eben den „Monaden“ (griechisches Wort für „das, was Eines ist“). Jede Monade ist für sich anders und daraus ergibt sich in diversen Zusammensetzungen alles Mögliche. Leibnitz hat seine Metaphysik darauf aufgebaut und mir schwirrt beim Lesen der Kopf.

Da war selbst die Beschreibung des Experiments mit Schrödingers Katze seinerzeit ein Klacks dagegen. Sie erinnern sich? Schrödingers Katze, Quantenphysik, jedes Teilchen hat jede denkbare Zukunft und so weiter. Aber ich merke, Leibniz kann nicht so falsch gelegen sein, denn im Wesentlichen sagen die modernen Quantenphysiker auch nichts, was nicht vergleichbar wäre.

Also, Schrödingers Katze: In eine verschlossene, blickdichte Box sperrt man eine Katze mit einer kleinen Teufelsmaschine (Gift in Glasphiole, die von einem Hammer zerschlagbar ist, der angetrieben wird von einem radioaktiven Zerfallsprodukt – das zerfallen kann oder auch nicht). Diese tötet die Mieze nach einer bestimmten Art von Zufall (Zerfall oder auch nicht) innerhalb einer bestimmten Zeitspanne – oder auch nicht, je nachdem. Man weiß also von außen nicht, ob die Katze tot ist oder noch lebt. Erst wenn man die Schachtel aufmacht und Nachschau hält, sieht man es.

In der verschrobenen Welt der Quanten ist das alles ganz anders, da ist die Katze nämlich beides gleichzeitig, lebendig und tot. Beide Wirklichkeiten existieren nebeneinander, und erst durchs Nachsehen legt man fest, in welcher – der mit der toten oder der mit der lebendigen Katze – man fortan lebt.

Das klingt verwirrend, aber die Quanten machen es noch verwirrender:

Denn die andere Realität gibt es weiterhin – und zwar samt Beobachter. Der hat beim Hineinsehen in die Box nur (aus welchem Zufal auch immer heraus) die Katze im anderen Zustand beobachtet und lebt ab diesem Moment parallel in der anderen Realität. Weil das nicht nur für die Katze, sondern für alles und immer gilt, heißt das: Jeden von uns gibt es unendliche Male, weil sich die Realität in jedem einzelnen Augeblick unendlich oft teilt – in alle theoretisch denkbaren Wirklichkeiten. In welcher davon unsere jeweiligen Ichs leben, legen diese selbst durch Beobachtung fest. Einmal sitze ich hier am Küchentisch und schreibe diesen Blog, aber in einer anderen Realität stehe ich auf und hole mir ein Glas Himbeersaft. In einer dritten läutet es an der Tür und draußen steht Marilyn Monroe als verschrumpelte Großmutter, in einer vierten fällt mir ein Meteor auf den Kopf, in einer fünften die totale Schreibblockade, in einer sechsten liest das ein geschmacksverwirrter Verleger aus einer geschmacksverwirrten Welt und macht einen Bestseller aus dem Textblog. Und so weiter. Eben: Jedes Teilchen (und damit jeder Mensch) hat jede nur denkbare Zukunft.

Damit Sie sich jetzt gleich noch mehr schrecken: Das behaupte nicht ich (dann wäre es ja lächerlich) – und auch kein durchgeknallter Science-Fiction-Autor, obwohl die das als „Paralleluniversen“ längst in diverse Serien hinein verwurschtet haben. Sondern das postulieren inzwischen praktisch alle anerkannten Quantenphysiker auf der ganzen Welt, von Stephen Hawking bis Brian Greene.

Das könnte zwar ein wenig beängstigend sein, hätte aber auch sein Gutes. Man stelle sich bloß vor, alle unseren unfähigen Politiker würden in einer anderen Wirklichkeit nicht am Ruder des Landes stehen, sondern an ihren angestammten Arbeitsplätzen. Faymann wäre nicht Bundeskanzler, sondern wieder im Wiener Wohnbau tätig – seiner Begabung entsprechend vielleicht als Hausmeister in einem Kagraner Gemeindebau. Doris Bures wäre Zahnarzthelferin in irgendeiner Provinzpraxis, Maria Fekter würde zuhause im Familien-Bergwerk Schotter schippen. Karlheinz Kopf gäbe in Vorarlberg den Pausenclown, Michael Spindelegger wäre Michael Spindelegger und keinen würde es jucken. Und der Unsägliche würde sich als männliche Klofrau irgendwo mit brauner Scheiße beschäftigen, die ihm bis zum Hals steht.

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