Das Prassen lassen

Ein Büro wie ein Sammelsurium aus fremder Welt. Riesengroß und angefüllt mit: afrikanischen Objekten aller Art, moderner mitteleuropäischer Kunst, Statuen vom Elefanten, Eisbären und Plastikfröschen, zwei Modellschiffen (zum Beispiel James Cooks Entdeckerschiff „Endeavour“), Spielzeugautos, ein paar Büchern. Von denen eines gut auf die Haltung seines Besitzers schließen lässt: „Zahlen bitte!“ heißt das Werk und es dreht sich darum, dass die Reichen, bitteschön, für die Kosten der Krise zur Kasse gebeten werden sollten.

Dazu ein Foto auf einem überdimensionalen Schreibtisch – der Bürobesitzer vor einem Graffiti-Schriftzug auf weißer Mauer, da steht: Eat the rich! Damit ist alles klar, es handelt sich um das Büro von: Arbeiterkammer-Chef Werner Muhm.

Ich habe ihn für das aktuelle FORMAT-Heft porträtiert und ihn dazu zweimal am Arbeitsplatz besucht. Jetzt kann ich sagen: Der Mann ist nett, wenn es um Zwischenmenschliches wie Kunst geht – und ziemlich unverträglich einseitig in Sachen soziale Gerechtigkeit. Ökonomisch betrachtet ist links von ihm außer der Wand nicht mehr so viel.

Ich meine: Meiner Ansicht nach sollten Vermögensteuern kommen und durchaus braucht es eine Umverteilung von der Besteuerung von Arbeit hin zur Besteuerung von Kapital. Aber so gnadenlos klassenkämpferisch wie Muhm muss man das nicht handhaben. Weil man so das Land und damit die Menschen eher beschädigt, und zwar recht nachhaltig. Auch ist nicht alles böse, was von Unternehmerseite kommt – und umgekehrt nicht alles gut, was in Richtung Kolchose und Sophkose geht.

Wobei: Soll ja jeder, wie er möchte. Bloß ist Werner Muhm in den vergangenen drei Jahren völlig unbeachtet von der Öffentlichkeit zum wesentlichen roten Einflüsterer geworden. Kaum einer weiß: Kanzler Werner Faymann hört auf niemanden so bedingungslos, wie auf Schattenmann Muhm, den Machtfaktor hinter den Kulissen. Der nicht gerne vor dem Vorhang steht, sondern dahinter an Fäden zieht, an denen die Entscheidungen formal Mächtigerer hängen.

Ich behaupte ja: Dieser Mann ist der Architekt hinter all den – teilweise sinnvollen, teilweise aber gefährlichen – Steuerschrauben, wie die SPÖ sie derzeit mit der ÖVP ausdealt. Ich bin in dieser Sache konservativ und voll fürs Sparen statt fürs einnahmenseitig finanzierte Prassen, wie vor allem sozialdemokratische Verschwender in öffentlichen Ämtern das so gerne tun. Und auf der anderen Seite den Ärmsten und Wehrlosesten das letzte bissl Geld – und Würde – auch noch wegnehmen, wie das etwa der populistische Landeshauptmann in der Steiermark handhabt: Dort hat man als einziges Bundesland – und illegalerweise – den Regress bei der Mindestsicherung eingeführt.

Egal, jedenfalls: Muhm-Porträt im neuen FORMAT, ab sofort in der Kolportage und ab morgen am Kiosk erhältlich. Und online: einfach hier klicken.

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