Santa Ivo

Das ist ja völlig indiskutabel! Es gibt genau einen Platz, einen einzigen, an dem Ivica Vastic seinen ersten ernstzunehmenden Trainerjob antreten hätte dürfen, und der ist natürlich in: Graz. Bei Sturm, als Nachfolger von Franco Foda. Was sonst?

Dass die Wiener Austria, sowieso unsympathischster Verein von hier bis dort, sich überhaupt an das Sakrileg wagte, ihn zu fragen, disqualifiziert diese vernachlässigbare Gauklertruppe auf ewig. Dass Vastic der Versuchung erliegen konnte, nicht bis Sommer zu warten und dann das Naheliegende zu tun, nämlich nach Hause zu kommen: eine drastische Fehlleistung.

Man muss sie ihm aber durchgehen lassen, denn der Mann hat sonst bisher meistens alles richtig gemacht. Einen fehlgeschlagenen Versuch muss jeder in seinem Berufsleben frei haben.

Was wahrscheinlich viele nicht wissen, weil man das Fußballern ja generell eher nicht unterstellt: Vastic ist durchaus hervorzuhebend intelligent. Allein die Tatsache, dass er besser Deutsch spricht als die meisten seiner Kicker-Kollegen, die das als Muttersprache haben, sagt schon einiges. Hören Sie doch einmal Toni Polster zu, wenn er versucht, sich mitzuteilen.

Ich begegnete Vastic vor vielen Jahren beruflich, als Vertreter meines damaligen Arbeitgebers hatte ich Sponsorverhandlungen zu führen.

Alles begann damit, dass mich sein freundlicher lokaler Manager zum Länderspiel gegen Schweden ins – damals noch – Schwarzenegger-Stadion einlud. Eine Schlammschlacht, fußballerisch. Ich glaube, man schied unentschieden voneinander. Danach gingen wir ins „Kornati“ (in Graz damals das DAS Fischlokal) essen. Anwesend waren am riesigen Tisch: Ivo, Ehefrau Anni, die Mutter der Ehefrau, der Bruder des Cousins des Schwagers oder so, 93 andere Verwandte, 3.251 kroatische Freunde aus dem weiteren Clan-Umfeld, der Manager und – ich. Ums Eck saß Frank Stronach und plante das weitere Scheitern seines Fußball-Engagements.

Waren irgendwie ungewöhnliche Verhandlungen. Geführt wurden sie in erster Linie von Vastics steirischem Manager-Freund, ziemlich hart, aber wir einigten uns nach einigem Geplänkel.

Jetzt schwadroniere ich schon wieder – was ich eigentlich sagen will: Von all den Sportlern, die wir damals sponserten (darunter etwa ein ziemlich präpotentes Snowboarder-Pärchen und eine ziemlich erfolgreiche Tennisspielerin mit ziemlich zickigem Management) war Vastic der einzige, der exemplarisch professionell agierte. Er war immer freundlich, kooperativ – und dass er seine Verpflichtungen penibelst erfüllte, war ihm selbstverständlich.

Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir ihn baten, einen der vereinbarten Tage, die er zur Verfügung zu stehen hatte, für unsere Weihnachtsfeier zu verwenden. Welche unglaublich peinlich ausfiel – die Event-Chefin (bereue heute noch, dass ich die nicht von ihrem Job entfernt habe) stellte ihn als Weihnachtsmann zusammen mit einer australischen Sängerin (im Weihnachtsfrau-Kostüm samt rot geplüschtem Minirock) auf die Bühne, wo er vor 700 oder 800 Mitarbeitern den Karl zu machen hatte. Bistdunarrisch.

Vastic erledigte den idiotischen Job, ohne mit der Wimper zu zucken. Ein echter Profi. Er stand zu Wort und Vertrag.

Also, der langen Rede kurzer Sinn: Vastic hätte einfach Sturm-Trainer werden müssen, zu Hause in Graz. Nicht in Wien, bei der Austria, wie konnte er nur!

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6 Gedanken zu “Santa Ivo

  1. du vergisst leider eine Sache: ein solchen Fussballer wie Vastic war, ist emotional verbunden und möchte dort enden wo er "hingehört" (Mourinho mag auch noch nicht Nationaltrainer sein, weils ihm danach – emotional betrachtet – nichts mehr groß genug wäre). Und zum "enden" ist es für Vastic noch zu früh. Also ab zu Austria. Das ist nämlich was wirkt. Mit Rapid zu gewinnen scheint in diesem land leider eher "normal" zu sein. Mit den Austrianer schafft er sich mehr Aura ;)))Und irgendwann kehrt er nach Graz zurück, wenn er älter ist 😉 auch da ist er ein wahrer Profi!

  2. Ah, so ist das! Alles klar, dann ist's okay. Problem aber: Eigentlich gehört er nach Split, das heißt:Trainer von Hajduk oder Kroatien, finally. Blöde Geschichte.

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