Die große Entstaubung

Mehr oder weniger radikale Ideen zur Entstaubung Österreichs – im aktuellen Heft des Magazins, für das ich arbeite, hat man ein paar davon publiziert. So unter dem Motto „Entstauben wir Österreich“. Ich habe mitrecherchiert und mitgeschrieben. Aber persönlich geht mir das alles zu wenig weit.

Könnte ich, wie ich wollte, würde ich:

Das Sozialsystem komplett umbauen. Es gäbe eine bedingungslose und vor allem unregressierbare Mindestsicherung für alle in Höhe zumindest eines ordentlichen Prozentsatzes des Mindestlohns. Natürlich mit strenger Missbrauchskontrolle (den es aber eh nicht gäbe, weil jeder sie kriegt, der sie will). So etwas schafft Freiraum für Dichter und Denker, was jeden Staat über die Jahre indirekt ordentlich nach vorne wirft – nur kurzfristig denkenden Krämerseelen böte es die Grundlage für boshafte Neiddebatten. Das AMS (die sind in Sachen Effizienz eh ziemlich für die Fische) könnten wir im Gegenzug abschaffen, gleichzeitig alle sozialen Transferzahlungen von Studienbeihilfe bis Notstandshilfe.

Das Bundesheer degradieren. Wir machen es zu einer super ausgerüsteten Katastrophenschutztruppe auf der einen Seite, auf der anderen Seite gibt es eine Sanitätseinheit aus medizinischem Top-Personal, mit der wir internationale UNO- und NATO-Einsätze beschicken. Statt Präsenzdienst gibt es ein verpflichtendes Sozialdienstjahr für alle – Taugliche, Untaugliche, Männer, Frauen. Das erhöht die Kompetenz dort, wo das Heer jetzt schon sinnvoll arbeitet. Und nützt der sozialen Hygiene im Land, bringt die Gesellschaft weiter und macht sie flauschiger. Spart außerdem Geld.

Die Pensionen vernünftig machen. Es hilft nichts, wir können nicht mehr lange herumfackeln und müssen die vielfältigen Rücksichtnehmer aller Lager in den unverdienten Ruhestand schicken: einheitliches Pensionsantrittsalter 65 für Männer und Frauen ab Stichtag, und der kommt möglichst bald. Wer früher geht, muss Abschläge in Kauf nehmen, wer länger bleibt, kriegt Zuschläge. Wir tun es einfach – und schon ist das Budget saniert. Und natürlich: das System gilt für alle, Stereotype eingeschlossen, also vom faulen Beamten bis zum fleißigen Superhackler. Extreme Härtefälle werden durch Einmalzahlungen entschärft, wirklich Kranke können natürlich in – kontrollierte – Frühpension gehen.

Wir verzehnfachen die Bildungsausgaben. Welche Mittel wir auch immer für Bildung fließen lassen, sie kommen in ein oder zwei Jahrzehnten über alle möglichen Umwege vielfach zurück. Also viel, viel, viel mehr Geld für Kindergärten, Schulen, Universitäten. Und erst recht für das dort tätige Ausbildungspersonal – Kindergärtner, Lehrer und Uniprofs sollen in Zukunft die Edelsten und Klügsten im Land werden wollen. Natürlich strenge Erfolgskontrolle für Studierende, 40-Stunden-Anwesenheitspflicht (und fünf Urlaubswochen) für Lehrer in dann erstklassig ausgestatteten Schulen. Mehr dazu steht eh im ziemlich genau ein Jahr alten Blog „Eine Zauberformel für Dick und Doof“. Und wenn wir lustig sind und den totalen Erfolg wollen, verzehnfachen wir unsere Bildungsausgaben nicht, sondern: verzwanzigfachen sie.

Oder so.

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