Rollt, ihr Fluten!

Ich bin ja kein Couch Potato, selbst wenn meiner gewölbten Anatomie ein bissl mehr Bewegung zweifellos gut täte. Aber TV-Konsum auch abseits der Nachrichten und Diskussions-Sendungen, die schon allein aus beruflichen Gründen notwendig sind: kommt vor.

Da gibt es eine Krimi-Serie, die ich mir ganz gern ansehe, im wesentlichen dreht sie sich um eine einzige Frage: Gesucht wird ein megaböser, megageschickter, megamysteriöser Killer namens „Red John“. Keiner weiß, wer er ist. Mittlerweile wird er schon durch die vierte Staffel gejagt. Von einem ziemlich smarten, modernen Sherlock Holmes übrigens, der ist die interessantere Figur. Von durchschnittlichen Drehbuchautoren zwar nicht richtig ausgeschrieben, bietet sein persönlicher Plot (Frau und Kind gekillt vom schlimmen Red-John-Finger, jetzt Rachefeldzug als Polieziberater, Karriere vom skrupellosen Hellseher zum genialen Detektiv) vielschichtige Chancen zum Changieren der Erzählweise. Die werden allerdings nicht so gut genützt, leider, viele Folgen sind ziemlich hanebüchen.

Warum ich die Serie trotzdem mag? Einerseits natürlich wegen dem unausgesprochenen Superrätsel, wer ist Red John. Andererseits weil immer wieder coole Zitate und Textpartikel vorkommen. Zum Beispiel:

Rollt, ihr Fluten!

Ist doch ein feines Zitat, oder? Mann kann´s jederzeit im praktischen Leben einsetzen und die Menschen hängen dir dafür bewundernd an den Lippen. Du musst es nur im passenden Moment und in einem guten Zusammenhang lässig in die Runde schlenzen.

Dazu ein schönes und melodiöses Gedicht des unterschätzten US-Poeten William Blake, das im Verlauf der Serie vermutlich noch eine Art Schlüssel zum Aufspüren des Bösen sein wird. Mit Lyrik kann man mich ja jederzeit ködern, wenn sie schön fließt – wenn die Fluten rollen, sozusagen. Rilke zum Beispiel: großartig. William Butler Yeats: mein all-time-favourite. Goethe finde ich, sorry liebe Deutsch-Lehrerschaft des Landes, als Dichter eher dilettantisch. Der konnte dafür so viele andere Sachen gut.

Jedenfalls, Blakes Gedicht „The Tyger“ geht im Original im ersten Gstanzerl ungefähr so:

Tyger, tyger, burning bright in the forests of the night,
What immortal hand or eye could frame thy fearful symmetry?
In what distant deeps or skies burnt the fire of thine eyes,
On what wings dare he aspire, what the hand dare seize the fire?

Finde ich gut, auch die deutsche Übersetzung im TV kommt nicht schlecht: Tiger Tiger Flammenpracht in der Wälder dunkler Nacht, welcher Schöpfer welcher Gott schuf dich, der Angst gebiert und Tod…

Zur Frage, wer Red John ist, hat sich übrigens – eh klar – mittlerweile eine formidable Internet-Community in die Gänge begeben. Für möglich gehalten wird alles, praktisch jeder Charakter in der Serie wird verdächtigt. Nur einer nicht, und ich bin der Überzeugung: Genau der ist es. Weil ich ja halbwegs ein Bild habe, wie Drehbuchschreiben funktioniert und wie man durch die Staffeln mehrerer Jahre einen finalen Höhepunkt ansteuern muss, damit es am Ende den ganz großen Paukenschlag gibt.

In dieser Serie, „The Mentalist“ (schwachsinniger Titel, wenn ich das anmerken darf), gibt´s nur mehr eine Lösung: Der Titelheld selbst, der Polizeiberater Patrick Jane, ist Red John.

Gespaltene Persönlichkeit und so, Psychologen haben da einen eigenen Ausdruck dafür. Klingt auf den ersten Blick absurd, aber wenn man das mit den bisherigen Handlungen abgleicht: Haut hin.

In den Web-Foren würden Sie mich dafür zwar steinigen, dass ich ihren Helden als Bösewicht entlarve, aber ich mache dort eh nicht mit und bin außerdem sicher: Der ist´s!

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