Besuch bei James

Morgen besuche ich zuerst James Joyce, dann schau ich bei Italo Svevo vorbei und schließlich mache ich noch Umberto Saba meine Aufwartung. Zumindest einer der drei sollte Ihnen etwas sagen, der Ire Joyce (immerhin hat er in Triest den unlesbaren „Ulysses“ fertiggestellt und das nicht minder monumentale Werk „Dubliners“ begonnen) ist ja nicht ganz unbekannt.

Den drei Schreibern hat die Literaturstadt Triest in den Jahren 2004 und 2005 eine Denkmal gebaut, alle drei wurden als jeweils lebensgroße Bronzestatuen über die Innenstadt verteilt. Morgen besuche ich sie. Vor allem James, er kommt ja aus dem Land which is the place my heart lies nearest, werde ich höchst wohlwollend auf die Schulter klopfen.

Heute hingegen hat es mich ordentlich durchgeklopft, denn: Fahrt mit dem uralten blauweißen Tram von der Piazza Oberdan hinauf auf den Karst nach Opicina. Das musst du getan haben, willst du der Welt ein bissl was über Triest erzählen. Ich brauchte für mein Radio-Master-Piece „Die Stadt, der Schreiber und das Verbrechen“ ein bissl Atmo-Töne. Also ließ ich das Rattern und Scheppern und Quietschen und Kreischen über mich ergehen, die schon beinahe hundert Jahre alte Straßenbahn hat eben ihr akustisches Eigenleben.

Aber toll: Mitten auf der Strecke wird eine zusätzliche Standseilwinde angekoppelt, weil das Ding die Steigung sonst nicht schaffen würde, immerhin beinahe 400 Höhenmeter bei einer Fahrstrecke von etwas über fünf Kilometern, da geht es schon ordentlich zur Sache. Und an einem warmen Sonntag wie heute fahren sie alle mit dem schrulligen Gerät – Triestiner, Touristen, Alt, Jung, auch ein Hund war mit von der Partie.

Wundert mich nicht, denn du hast von unterwegs einen einmaligen Blick auf diese schöne Stadt, die sich wie eine Decke über die Faltenwürfe des Karst schmiegt – und auf das Meer unten, das wie feingerippter Stoff auf dem Golf liegt, wie mein geschätzter Jänner-Stadtführer Veit Heinichen schreibt (Sie können das im Blogpost „Triest“ nachlesen).

Später dann durchaus ein bissl Ärger, denn immer noch auf der Jagd nach Atmo-Tönen war ich im weißen Castello von Miramare, das ja seinerzeit für einige Jahre die Nazis okkupiert hatten. Die haben wirklich flächendeckend über ganz Europa die schönsten Plätze kontaminiert. Von damals blieben jedenfalls einige Möbel zurück, die man im zweiten Stockwerk des Schlosses heute noch besichtigen kann. Die Raudaubrüder schreckten wirklich vor nichts zurück – sogar ein Kästchen haben die in Hakenkreuzform designt.

Einer der Fälle, wo ich es glatt als Heldentat durchgehen ließe, nähme sich einer ein Herz und ließe ein Museummsstück in Flammen aufgehen. Diesen Schrott braucht nämlich keiner.

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