Rory

In Sachen Golf bin ich der geborene Zuseher. Ich spiele wie der erste Mensch, kenne mich aber erstklassig aus und kann die Sache auch jedem jederzeit gut erklären. Nur eben nicht zeigen. Das kommt davon, dass ich schon jahrelang über Golf schreibe, mit dem einen oder anderen Tourprofi gespielt (man wird ja als Golfschreiber ab und zu zu Pro/Ams eingeladen) und tatsächlich golferisch schon ein bissl was gesehen habe. Nicht soviel natürlich, wie die Kollegen, die das hauptberuflich machen, aber es langt.

Ich bin außerdem Besitzer eines ganz netten Ballgefühls, jedoch das miserabelste Bewegungstalent des Kontinents. Eine für das Golfspiel teuflische Kombi – du kannst theoretisch vieles und weißt, was du dem Ball sagen musst. Sprichst aber leider nicht seine Sprache.

Aber das wollte ich Ihnen nicht erzählen. Was ich beim Thema Golf nämlich noch bin: ein ausgezeichneter Prophet. Erinnere mich noch, als mir der Name Rory McIlroy das erste Mal unterkam, seit vergangenem Wochenende die neue Nummer 1 der Golf-Weltrangliste.

Das war in Nordirland, im nigelnagelneuen Lough Erne Golfressort bei Enniskillen. Mit ein paar Kollegen durfte ich den noch gar nicht eröffneten Kurs testweise begolfen, der Ressortchef begleitete uns. Er erzählte von einer weiteren Testrunde mit dem gerade ins Profifach gewechselten McIlroy, frisch verpflichtet als Testimonial für die Anlage. Wir bespielten gerade ein elendiglich langes Par 5, knappe 600 Meter, das Grün praktisch außer Sehweite irgendwo hinter dem Horizont. Das schüchtert Hobbygolfer ein (mich übrigens nicht). Rory sei hingegen entgeistert gewesen, berichtete der Mann, dass er mit seinem zweiten Schuss nicht ins Grün kam. Der damals 18Jährige brauchte glatt Trost, so sehr nahm ihn das mit.

Zur Erklärung: Auch ausgezeichnete Golfer benötigen bei einem sehr langen Par-5-Loch so gut wie immer drei Schläge ins Grün. Für Rory jedoch, bestes Talent der grünen Insel aller Zeiten: ein absolutes No-go.

Hm, dachte ich mir, wenn das stimmt könnte aus dem was werden.

2009 sah ich ihn dann in seinem ersten vollen Profijahr beim European-Tour-Event in München-Eichenried. Cool, locker, ein klasser junger Bursch. Normal, das muss ich Ihnen erklären, sind Profigolfer bei großen Turnieren eher auf der angespannten Seite, es geht ja um viel Geld. Auf keinen Fall sind sie lässig drauf, manche haben vor lauter Stress Magenschmerzen und geben sich nach außen als ziemliche Ungustln. Der junge Herr McIlroy nicht. Der war unbekümmert, hatte Spaß, scherzte mit den Zusehern – und spielte schlecht. Gut in Stimmung war er trotzdem – wobei schlecht bei ihm heißt, dass er an diesem Tag nicht unter den Top-5 mitgolfte. An Bahn 10 nahm er mit seinem Teeshot den Flight-Kollegen gleich einmal gut 30 Meter ab und landete im Bunker. Den Sandsave setzte er aus wohl 50 Metern auf 50 Zentimeter zur Fahne – mit einer Unbeschwertheit, die mich voll beeindruckte.

„Der wird der erste sein“, schrieb ich daraufhin in einem Golfmagazin, „der dem Tiger in zwei oder drei Jahren die Show stehlen könnte“. Ein paar Jahre zuvor hatte ich außerdem in einem anderen Magazin großzügig prognostiziert, dass Österreich zu Beginn des zweiten Jahrtausend-Jahrzehnts „zumindest drei oder vier Golfer auf der European Tour haben“ wird. Jetzt schreiben wir 2012, Rory McIlroy ist Nummer 1 der Welt. Und fix auf der ET spielen für Österreich die Herren Brier, Wiegele, Wiesberger und Bacher.

Also. Wollen Sie was über Ihre Golf-Zukunft wissen? Fragen Sie mich – ich glaube, ich werd´s Ihnen sagen können.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s