Zurück in die Achtziger

Geburtstag, kürzlich wurde ich 47 und wollte keine allzu große Show daraus machen. Die vielen Facebook-Gratulanten zu administrieren war mir genug Erinnerung, dass ich jetzt schön langsam wirklich alt werde. Allein – wenn du ein kleines Kind in deinem Umfeld hast, kannst du so ein Ereignis nicht ohne weiteres spurlos vorüberziehen lassen. Da muss gefeiert werden.

Valentina bestand – süßigkeitshungrig, wie sie mit ihren siebeneinhalb Jahren eben ist – auf einer Torte für mich, und zwar mit abgezählten 47 Kerzen. Eine Voraugenführung des fortschreitenden Verfalls in 47 flackernden Hinweisen. Ich konnte die zwar immer noch mühelos in einem Zug ausblasen (liegt wohl daran, dass ich nicht rauche). Aber inzwischen kommen immer mehr Zeichen: mein Vorhandensein unter den Jungen, Coolen und Dynamischen geht dem Ende zu.

Deutlichster Hinweis bis jetzt: Erstmals wurde ich von Freunden zu einer 80er-Jahre-Party eingeladen, Motto so ungefähr: kleide und gib dich wie damals, als du jung warst. Bin jetzt echt fertig, weil mir dadurch klar wurde: Auch die 1980er mit all ihren schrulligen Sonderlichkeiten (denken Sie nur an die optischen Auftritte der damals-Rocker von „Duran Duran“) sind für einen alten Knacker wie mich bereits die reine Nostalgie – selbst wenn mir vorkommt, das war erst gestern.

Ich liebe solche Veranstaltungen nicht – gehe aber gern hin, weil´s gute Freunde sind. Bloß, was soll ich tun, damit ich wie einer aus den 80er-Jahren daherkomme? Gewand von damals passt mir um ungefähr 30 Kilo nicht mehr. Als Kiss-Leadsänger schminken scheidet auch aus, soviel Peinlichkeit bringe ich dann doch nicht übers Herz.

Meine Idee: Ich schnappe mir einfach ein möglichst lächerliches Plattencover von damals, schneide es unten ab und setze es mir als Hut auf.

Habe gestern meine alte LP-Sammlung nach besonderen musikalischen Unverträglichkeiten durchforstet, man schreckte ja seinerzeit vor nichts zurück. Fand jedoch zu meiner eigenen Überraschung keine einzige Abba-LP, wie kann das sein? Beatles und Stones will ich nicht zweckentfremden, an manche Heiligtümer sollst du einfach nicht rühren. Queen? Lieber auch nicht.

Aber dann sah ich es. Eine Schrecklichkeit sondergleichen, sowas war seit damals nicht mehr da. Schneeweiß die Hülle, zwei offenkundig homosexuelle Jungs mit ganz unglaublich gigantischen Fönwellen darauf abgebildet. Genannt haben sie ihr Werk (in vor-Viagra-Zeiten war das noch halbwegs unverfänglich): „Make it big“. Und gesungen haben sie schlecht wie zwei liebeskranke Coyoten. Ich denke, wenn Sie wie ich ebenfalls nicht mehr ganz taufrisch sind, werden Sie sich noch erinnern: George Michael und Andrew Ridgely, gemeinsam als „Wham“ bekannt, der Welt größte Geschmacksverirrung.

Die werde ich mir aufsetzen und damit am Samstag sicher Heuler der Party sein. Geschmacklosere 80er gibt´s gar nicht.

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