Am Postamt meines Misstrauens, neue Folge

Sie wissen schon, dass Sie mit dem Lesen dieses Blogs ein ziemliches Risiko eingehen?

Ich bin nämlich, hat der Schaltermensch am Postamt meines Misstrauens entschieden, ein potenzieller Terrorist und außerdem auch noch: Geldwäscher. Und wenn Sie das lesen, was ich schreibe, machen Sie sich in den Augen unserer Innenministerin (die ein wenig an Humor verloren hat, in den vergangenen zwei Jahrzehnten, soweit ich das beurteilen kann) auf jeden Fall mitschuldig.

Also: Vorsicht.

Alle paar Monate, wenn die Dinge einfach zu gut und geschmeidig laufen, reitet mich der Teufel und ich suche wieder einmal das Postamt meines Misstrauens auf, bei mir zu Hause in Graz gleich um die Ecke. Diesmal um Strafzettel einzuzahlen, ich hatte falsch geparkt.

Brauch I Ihren Nachnamen, Vornahmen, außerdem Geburtsdatum, gehtscho!, sagt der Mann hinter dem Schalter ein wenig schnoddrig, es ist derselbe wie schon im Blog vom vorletzten Dezember.

Aber warum denn?, frage ich und ahne Komplikationen. In Österreich ist der Weg aufs Postamt ja immer noch ein wenig Amtsweg.

EU-Richtlinie, sagt er, bei allen Einzahlungen brauchen wir das. Wenn Sie mehr als 1000 Euro einzahlen, brauch ich auch Ihren Ausweis. Brummt´s und rollt bedrohlich die Augen, Stirn in Falten.

Keine EU-Richtlinie, sage ich, weil ein bissl kenn ich mich schon auch aus: Das gilt bei Einzahlungen auf das Sparbuch oder grundsätzlich bedenklichen Überweisungen – aber nicht, wenn man ein Strafmandat bezahlt.

Hörn´S, antwortet der Mann hörbar genervt, schaun´S her, do is ein Feld im Computer und des ghört ausgefüllt, ois klar?

Natürlich ist mir alles klar, ein vordefiniertes Feld in der Überweisungssoftware der Post. Aber wenn ein Post-EDV´ler ein Feld zum Eingeben vorgesehen hat, heißt das noch lange nicht, dass jeder unterbelichtete Schaltermensch von jedem harmlosen Kunden Namen und Geburtsdatum verlangen und sich dabei auf die EU berufen darf.

Hilft alles nichts, der Kerl besteht darauf – aber ich sag ihm nicht, wie ich heiße.

Auf dem Erlagschein steht es zwar ohnehin groß drauf, aber das hat er bis jetzt nicht bemerkt – vielleicht kann er ja auch nicht so gut lesen, Post halt. Jedenfalls wird der Amtsvorstand (jaja, sowas gibt´s bei unserer Post auch im 21. Jahrhundert noch) aufmerksam, lässt alles stehen und liegen (unterbricht also seine Jause) und gesellt sich zu uns.

Ist wirklich Pflicht, springt er seinem Mitarbeiter bei und verweist auf das Bankwesengesetz. Mein Einwand, dass Bankwesengesetz und die von seinem Mitarbeiter vorgeschobene EU-Richtlinie eigentlich zwei verschiedene Dinge sind, verunsichert ihn zwar kurzfristig. Aber ich kann´s Ihnen beweisen, sagt er schließlich, verschwindet kurz und kommt mit einem Wisch wieder: eine Art interne Post-Dienstanweisung, auf der sinngemäß steht, dass bei Einzahlungen bis 1000 Euro tatsächlich die persönlichen Daten anzugeben sind.

Über all dem leuchtet als Titel der Hinweis „bei Verdacht auf Geldwäscherei und Terrorismus“. Mir ist zwar nicht klar, wie man Geldwäsche oder Terrorismus vermuten kann, wenn ein Staatsbürger mit einem amtlichen Erlagschein der Stadt Graz 25 Euro Parkstrafe überweisen will, aber unsere Post hat da sicher ihre eigenen Kriterien.

Wir einigen uns jedenfalls salomonisch: Weißt was, sagt der Amtsvorstand zum Amtsmitarbeiter, ich kenn den Herrn eh. Wenn er dir seinen Namen nicht sagen will, schreib halt einfach irgendwas in das Feld rein.

Und genauso macht der es dann auch. Ja, so ist das eben bei der Post, wenn strengste Sicherheitsvorschriften rigoros befolgt werden.

Ich glaube ja: Seinerzeit, als die Post ihre Nutzlosesten, Faulsten und Dümmsten los werden wollte und sie zur Polizei abgeschoben hat, gab es ein paar, die selbst dort niemand haben wollte. Die Post musste sie zurücknehmen. Und hat sie dann im Postamt meines Misstrauens konzentriert. Dort werkeln sie nun vor sich hin und gehen hauptsächlich mir auf die Nerven, das ist immerhin eine lohnende Aufgabe.

Vor allem für die Post, die ganz schön nimmt: Dafür, dass ich meine drei Strafmandate einzahlen durfte, am Postamt als der Geldwäsche und des Terrorismus grundsätzlich Verdächtiger gebrandmarkt wurde, verrechnete mir unsere liebe Post ein Honorar von immerhin 10,50 Euro.

Leicht verdientes Geld. Übrigens könnte man der Post durchaus auch einmal einen Hinweis auf die korrekte Anwendung der beiden Substantive „Geldwäsche“ und „Geldwäscherei“ geben – ist ja schließlich ein Textblog, das hier.

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