Das Twinni-Problem

Fast ist es so alt wie die Menschheit – und mich verfolgt es seit frühester Jugend: das Problem, einen Twinni-Eislutscher in der Mitte auseinander zu brechen. Vertikal natürlich.

Gehst du das Ding an seinen beiden Holzstaberln an (der eleganteste Approach), bricht zumindest einer von beiden aus dem Eis, sobald du drückst, ziehst oder drehst. Die sicherste Methode wäre, direkt mit den Fingern an den beiden Eisteilen anzusetzen (die übrigens, diese Bemerkung aber wirklich nur am Rande, ein wenig aussehen wie die Warp-Gondeln der Voyager, wenn Sie wissen was ich meine und die Farbgebung einmal außer Acht lassen).

So bricht der Twinni auf erstklassige Weise, bloß hast du deine Finger mit klebrigem Eis verschlatzt. Keine gute Lösung. Generationen von Jugendlichen waren, da bin ich mir ganz sicher, schon mit dem Problem befasst. Ein echter Konstruktionsfehler der Herstellerfirma – sehr eigenartig, dass das unpraktische Eis nicht längst vom Markt verschwunden ist. Man könnte ja seit Jahrzehnten auf das weit praktikablere Konkurrenzprodukt „Jolly“ ausweichen.

Ich hätte früher bei mannigfaltiger Gelegenheit durchaus Chancen gehabt, den Chef von Unilever Österreich auf den schweren Mangel seines Produktes hinzuweisen und umgehende Behebung zu urgieren. Hab ich aber leider jeweils vorbeiziehen lassen. Es kommt auf einer Bilanzpressekonferenz eines Unternehmens einfach nicht so gut, wenn du als Journalist aufzeigst, nachdem Cash-Flow, Ebit und so weiter präsentiert wurden. Und sagst: Also folgendes Problem jetzt aber, ich krieg Ihren Twinni nicht auseinander, was genau werden Sie da im nächsten Geschäftsjahr unternehmen?

Letzten Freitag Abendessen mit einer Freundin. Ich weiß nicht mehr, wie dieses Thema zur Sprache kam. Lächerlich, sagte sie jedenfalls, man nimmt den Twinni in beide Hände, lässt die Verpackung dran und bricht ihn. Alles easy.

Genial. Die Verpackung dranlassen. Erst nach dem Brechen auspacken! Warum bin ich da 40 Jahre lang nicht draufgekommen? Wäre mir das vielleicht selbst eingefallen, wenn ich zu Ende studiert hätte?

Schon am nächsten Tag war ich zu einem 70er- und 80er-Jahre-Fest eingeladen, Sie können das im vorangehenden Blogpost nachlesen. Ein Gast brachte zur Nachspeise eine Milliarde Twinnis mit. Ich, zuversichtlich, nahm den ersten, ließ ihn in der Verpackung und drückte. Er brach sauber in der Mitte. Allerdings horizontal.

Hm. Wohl eine Art Kollateralschaden, wie Ungeübte ihn ab und zu verursachen. Ich aß das Eis (nicht ganz unkompliziert mit zwei quer gebrochenen Teilen) und auf ein Neues. Ergebnis: unverändert. Inzwischen diskutierte man am Tisch allgemein über das Problem. Und als ich kurz aufs WC musste hinter vorgehaltener Hand wohl auch darüber, ob ich ein gigantischer oder doch nur ein großer Trottel bin: Denn meine Sitznachbarin (Twinni-in-der-Verpackung-Brecherin seit ewig, wie sie mir erzählte) knackte ein Eis nach dem anderen korrekt, sauber, unprätentiös, souverän. Vor allem vertikal.

Nur ich hatte nach ungezählten Versuchen: schlatzige Finger, eine Sauerei vor mir auf dem Tisch – und Bauchweh.

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