First Class im Alltag

Ein wenig wehmütig blättere ich heute am Frühstückstisch in Graz unser lokales Micky-Maus-Heft für Erwachsene durch, die Kleine Zeitung. Ab morgen geht das wieder nur in der Redaktion in Wien, da ist die Pause vom Innenpolitik-Alltag vorbei, weil das Radioportrait über Triest im Kasten ist (hier der Link, über den Sie sich das bei Lust und Laune anhören können).

Realität und Alltag, konsumiert über die Kleine – immer unterhaltsam. Heute liegt das aber nicht am Blatt, das sonst mit dem einen oder anderen lustigen Dreh immer gerne Heiteres produziert (erinnere mich noch mit Freude an eine Meldung aus 2008, als ein Kollege schrieb, die holländischen Windmühlen waren seinerzeit dazu da, „das Land anzuheben“).

Ein Interview mit dem mächtigen Raiffeisen-Boss gleich auf den ersten Seiten – der sagt Dinge, die gehen meiner Ansicht nach in dieser Form nur am 1. April durch.

Ich weiß, das könnte ein wenig problematisch sein, so etwas zu behaupten. Immerhin ist Raiffeisen am Verlag meines Arbeitgebers wesentlich beteiligt und bei uns im Haus schlackern gleich mehrere Chefreds präventiv ziemlich mit ihren Ohrwaschln, wenn ein siebter Redakteurszwerg von links hinten etwas Kritisches über Christian Konrad zu publizieren gedenkt.

Nützt der Karriere eher nicht, aber mir ist so etwas eh: wurscht.

Andererseits sagt Herr Konrad im Kleine-Interview auch wörtlich: …schließe allerdings nicht aus, dass es Menschen gibt, die sagen, um dem Konrad zu gefallen, machen wir das…hat aber auf die Karriere null Auswirkung. Fein. Da darf einer wie ich wohl annehmen, dass das auch im Umkehrschluss gilt, und sich entspannen.

Aber eigentlich, Thema: Alltag.

In der Kleinen lese ich, dass zum Beispiel die Frau Innenmini nach FORMAT-Berichterstattung über die 105 neuen Luxus-Dienstkarossen für unsere Politiker höflich darauf hinweist, wie sie immer noch mit ihrem „Uralt“-Dienstauto aus dem Jahr 2007 herumgurkt. Hm. Mein kleiner, braver BMW (ein richtiges „Arschlochauto“, wie eine Kollegin aus der Redaktion meint, was mir voll gefällt) stammt aus 2008 – ist also nach Johanna Mikl-Leitners Verständnis auch schon ein bissl ein Methusalem. Wie werden da wohl die vielen allein erziehenden jungen Mütter zu ihren zehn, zwölf und mehr Jahre alten Rostlauben sagen? In denen sie den Nachwuchs herumkutschieren müssen, weil der Staat bei der Unterstützung für gesellschaftlich Benachteiligte nicht ganz so generös vorgeht wie bei der Beschaffung neuer First-Class-Spielzeuge für Politiker?

Sehr demokratisch hingegen, lese ich weiter, wie meine Freunde im Ausseerland (ich höre da in letzter Zeit leider ein bissl wenig in Sachen Kampf gegen die Abgabe des BA-Nummerntaferls) bei der Krönung ihrer nächsten Narzissenkönigin vorgehen: Man kann sich bewerben (falls Sie sich berufen fühlen, die Frist läuft noch eine Woche). Nicht schlecht. Früher, als in Österreich die Habsburger etwas zu sagen hatten, ist das meines Wissens irgendwie anders abgelaufen.

Und auf der letzten Seite der Kleinen lese ich über die bedauernswerte Kate Winslet, die sich vom Titelsong aus „Titanic“ verfolgt fühlt (man erinnert sich noch, der Film hat sie überhaupt erst zum Star gemacht). Wann immer sie eine Bar betrete, klagt die Schauspielerin, setze der Pianist sofort zu „My heart will go on“ an und sie verspüre dann jeweils Brechreiz.

Yip, zweifellos ein schweres Los.

Will man doch die mit dem Film gescheffelten Millionen hin und wieder auch durch den Besuch der einen oder anderen Lustbarkeit, zum Beispiel einer Bar, ausgeben. Und das geht dann halt nicht so gut, wenn man sich dort immer gleich übergeben muss. My heart will go on to pity poor Kate.

Aber vielleicht hat man in der Redaktion der Kleinen Zeitung ja auch bloß die eine oder andere Meldung zum ersten April gefaked, soll durchaus schon einmal vorgekommen sein…

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