Auf auf, Piraten, johoo!

Es ist ja nicht so, dass jetzt gleich Johnny Depp die Donau herunter gesegelt käme, aber: Piratenangriff auf Österreich! Lassen Sie es mich umstandslos und direkt sagen: Ich finde das gut.

Sie sind zwar schon ein wenig kurios, als Haufen: 1.000 Mitglieder, rund 2.000 Euro Gesamtbudget auf der hohen Kante – damit kommst du an sich in der österreichischen Politik nicht weit. Bevor Sie jetzt anmerken, was dann da letzten Wahlsonntag in Innsbruck abgegangen ist, Achtung: Die Innsbrucker sind eine ganz andere Partie, die heißen nur Piraten. Jedoch: andere Partei, andere Statuten, andere juristische Struktur. Über die Bundespiraten sagen die Tiroler: Wahnsinnige, Pfuscher. Und umgekehrt die Wiener über die Tiroler Piraten: Gesindel. Wissen Sie, man hat sich halt einfach nicht so richtig lieb.

Wir kennen das ja noch von den Grünen in den 1980er-Jahren, da ging es zwar vergleichsweise zivilisiert zu, gestritten und sich gespalten hat man damals aber auch. Bloß: Die Piraten sind ein noch viel bunterer Farbtupfer im starren österreichischen System, als die Grünen es jemals waren. Allein ihr bloßes Vorhandensein wird unseren verstockten Alt-Politikern (das meine ich nicht vom Lebensalter her) die Wadln wieder ein wenig nach vorne richten. Die können einen Tritt in den Allerwertesten eh gut brauchen – ich hoffe, dass die Piraten-Wähler selbigem ordentlich Kraft mitgeben.

Ein bissl irritiert mich zwar schon, dass die Piraten (ich hatte jüngst ausführliche Gespräche mit zwei Mitgliedern ihres fünfköpfigen Bundesvorstandes) in so manchen Belangen ein wenig unverdorben bis kurios, fast naiv agieren – und schon auch in Ansätzen etwas daneben. Die und ihre Anhänger sind alles sinnlose Chaoten, höre ich den Boulevard schon lästern. Aber es gibt auch Forderungen im piratischen Universum, die sind richtig super.

Etwa dieses Ding mit dem bedingungslosen Grundeinkommen – meine Rede! Die Grünen trauen sich ja nicht so, das zu fordern, obwohl sie durchaus der Ansicht wären, wir brauchen das. Die Piraten sagen´s einfach. Plus eine dann notwendige Komplettumkrempelung von Bildungs- und Sozialsystem, in Österreich längst überfällig. Genauso wie die Entkriminalisierung von Haschisch.

Jessas!, höre ich da jetzt recht viele brave, rechtschaffene Bürger schnaufen – wie kann man solchen Menschen und ihren Wählern bloß vertrauen?

Aber ehrlich jetzt: Die hunderttausenden Scheintoten, die sich in der Wiener U-Bahn jeden Morgen mit „Heute“ und „Österreich“ informieren. Oder die vergleichsweise Superintellektuellen, die ihre Bildung aus der Kronen Zeitung beziehen. Die Millionen Musikantenstadler im Land. Sind das die politischen Vollchecker und Durchblicker? Haben die ein Bild davon, wie sie dem Land schaden, wenn sie zum Beispiel als Folge ihrer boulevardesk vermittelten Desorientierung die FPÖ wählen?

Ins Parlament könnten es die Piraten auf jeden Fall schaffen. So sieht das auch unser aller Politik-Kommentator Peter Filzmaier. Allerdings sagt er auch, dass sich bei der derzeitigen Stimmungslage und Politikverdrossenheit sogar ein geschickt agierender Bienenzüchter-Verein ins Hohe Haus transportieren könnte, hat ein Kollege von mir recherchiert.

Jedenfalls: Ich freue mich schon, sollte es in unserem verzopften Parla demnächst einmal Piraterie geben und die wilden Kerle, johooo!, den verstaubten Herren Kopf oder Cap, nur zum Beispiel, um die Ohren segeln.

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