Wenn ich so rank und denk

Wenn die Inneministerin und ihr Staatssekretär Bilanz ihres einjährigen Wirkens ziehen, kann ich das auch.

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass ich mit dem Journi-Blick auf die heimische Innenpolitik begonnen habe (davor: mehr Wirtschaft und Golf). Der Start damals war ziemlich traurig, es ging um die verzockte steirische Budgetlage und die noch viel tristeren politischen Repräsentanten des steirsichen Volkes, die alles zu verantworten haben. Und die, das sei nur am Rande angemerkt, noch immer ungestraft fuhrwerken (Landtagswahl ist erst 2015).

Jedenfalls, ich bilanziere in Form eines Rankings heimischer Politiker – das ist wenigstens halbwegs unterhaltsam (wen interessieren schon meine kleinen persönlichen Hochs und Tiefs im Job).

Und ich kann Ihnen, liebe Blog-Leser, leider eine schlechte Nachricht nicht ersparen – denn zusammengefasst scheint mir nach diesem knappen Jahr: Es sind bis auf wenige Ausnahmen weder unsere Gescheitesten noch unsere Anständigsten, die wir an die Spitze des Staates oder in sonst ein wesentliches politisches Amt gewählt haben. Mit schätzungsweise 100 von ihnen hatte ich im Laufe des vergangenen Jahres persönlichen Kontakt – am Telefon oder direkt. Wenn du die sonst nur im Fernsehen siehst oder im Radio hörst und sie dann kennenlernst: eine durchaus frustrierende Erfahrung. Geeignet, sich um das staatliche Ganze doch ein wenig Sorgen zu machen.

Denn – und ich fürchte, da könnten Sie jetzt vor Schreck vielleicht ein wenig zusammenzucken: Im Original und mit der Möglichkeit des Blickes hinter die Kulissen sind viele von denen noch weit unangenehmer, als sie derzeit über die Medien rüberkommen.

Ich traf in zwölf Monaten genau fünf Politiker, von denen ich den Eindruck hatte: das sind anständige Menschen, denen kann man auf jeden Fall bedenkenlos was anvertrauen. Nicht einen mehr. Dazu eine Handvoll (nicht sehr voll), bei denen ich dachte, es passt eigentlich eh. Alle anderen waren, lassen Sie mich das bewusst – und selbstverständlich höchst subjektiv – so drastisch formulieren: ein Drama. Dass die es in Positionen geschafft haben, in denen sie für die Republik Österreich und ihre Menschen Schaden anrichten können, wenn´s blöd hergeht: Hm.

Die fünf angenehmen Politiker jedenfalls, die ich jederzeit wählen würde, ranke ich wie folgt:

1. Josef Weidenholzer. Den kennen Sie vermutlich gar nicht, was bereits bezeichnend für die österreichische Politik ist – denn in eine Top-Funktion der Republik schafft man es vermutlich nie, hat man wirklich was drauf. Oder man will es dorthin gar nicht schaffen. Dementsprechend agiert Weidenholzer weit weg – er ist EU-Abgeordneter der SPÖ und hat auch um diesem Job zwei Jahre lang kämpfen müssen. Aber manchemal ist es so: Du schaust einem Menschen in die Augen, hörst ihn ein paar Sätze reden – und weißt, das ist ein Guter. Beim Oberösterreicher Weidenholzer ist das so. Schade, dass er keine tragendere Rolle in der Heimat spielt. Der wäre einmal ein richtig guter Bundespräsident.

2. Werner Kogler. Ich mag ja die Grünen sowieso und würde ihnen glatt unterstellen, dass sie jene Partei unter den fünf im Parlament vertretenen sind, der man am ehesten trauen kann. Über Kogler kann ich sagen: blitzgescheit, zweifellos ein Mensch mit Anliegen, engagiert, anständig, und er weiß was er tut. Das Ruppige hat man ihm als Folge der Niederungen des Polit-Alltags durchgehen zu lassen. Außerdem hat er früher bei Sturm Graz gekickt, trinkt gerne gut und frequentiert in Wien das Anzengruber zwecks Betrachtung herausragender Fußballmatches in qualifizierter Gesellschaft. Allein das macht ihn sympathisch. Ich sage: der Mann wäre jener Finanzminister, den Österreich braucht.

3. Evelyn Regner. Typisch für den Zustand der SPÖ, dass sie ihre Besten weit hinter dem Ereignishorizont der meisten Wähler sicher verstaut – wohl damit die hierzulande nicht allzu viel Schaden im fest verzurrten Gefüge aus parteilicher Imkompetenz, Scheinheiligkeit und Charakterlosigkeit anrichten. Auch Regner ist EU-Abgeordnete – und ich mag es, wie sie Arbeitnehmer-Anliegen im ohnehin ein wenig unternehmenslastigen Brüssel vertritt. So eine Sozialministerin würde ich mir wünschen. Dass Evelyn und ich uns schon lange kennen, tut nichts zur Sache – glauben Sie mir, ich bin da ziemlich objektiv.

4. Ferdinand Lacina. Er hat zwar nicht mehr rasend viel in der heimischen Politik zu sagen und ist neben einigen anderen Nebengeschäften bloß noch Berater des Vorstandes der UniCredit Group. Es wäre auch illusorisch anzunehmen, dass er während seiner Amtszeit in der Regierung nicht Teil des Systems der politischen Mauschelei und Packelei gewesen wäre. Aber damals war das mit Sicherheit noch weit weniger tiefgreifend als heute – und im Vergleich zu seinen Nachfolgern im Infrastruktur- und Finanzmini ist Lacina eine Lichtgestalt. Er spricht in ganzen Sätzen, kennt sich aus bei dem, was er sagt. Was meinen Sie – kann man das von Bures und Fekter auch behaupten? Außerdem ist er höflich, offen, kurz: ein angenehmer Gesprächspartner. Ich mochte auch sehr, wie er über Strache denkt.

5. Gabriela Moser. Wäre die Frau mein Feind, hätte ich wohl Angst vor ihr. Moser ist nämlich exemplarisch zäh und zielstrebig – und wohl auch ein wenig streng. Außerdem, da bin ich ziemlich überzeugt: hochanständig. Fast wundert es mich, dass die beiden gnadenlosen Regierungsparteien so eine an die Spitze des Korruptions-U-Ausschusses ließen. Entgegen der landläufigen Meinung bin ich übrigens der Überzeugung, dass dieser Ausschuss alles in allem gute Arbeit leistet. Viel hat er bereits ans Licht geschaufelt, und Sie dürfen annehmen – da wird noch ziemlich was folgen. Ein Verdienst unter anderem von: Moser. Wäre die dort Präsidentin, würde vielleicht sogar unser degeneriertes Parla wieder was hermachen.

Ich will Ihnen und mir die Frustration eines Rankings auch am Ende der 100er-Liste ersparen. Zu viele gibt es, die dort hingehörten. Was ich allerdings schon anführen will:

Ich glaube, Wirtschaftsmini Reinhold Mitterlehner ist gemeinsam mit ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf der derzeit überschätzteste Politiker in Österreich. Wenn man bedenkt, dass die Zahl der Kopf hoch Einschätzenden ohnehin enden wollend ist, können Sie sich wahrscheinlich ein gutes Bild machen, wer in meinem Ranking die rote Laterne hätte, würde ich eine entzünden.

Natürlich muss ich in diesem Zusammenhang noch anfügen: Ich hatte auch ein kurzes Gespräch sowie zwei, drei Telefonate mit Heinz Christian Strache. Der steht aber in meiner persönlichen Wahrnehmung so jenseits von allem, was ich für akzeptabel halte, dass ich ihn hier irgendwie außer Konkurrenz stellen möchte.

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