Das ganz große Abstreiten

Jetzt lassen´S mich ausreden, dann kennen Sie sich aus, sagte der Gewerkschaftsboss am Telefon und hatte voll Recht. Ich habe ihn wirklich zwei-, dreimal unterbrochen. Das kommt davon, wenn du täglich mit Politikern zu tun hast, die dir stromlinienförmig ins Gesicht lügen.

Zum Beispiel Hannes Rauch, derzeit mein persönlicher Favorit in Sachen ganz großes Abstreiten:

Erstunken und erlogen, brüllte der ÖVP-Generalsekretär ansatzweise, als ich ihn vor etwas über einer Woche am Telefon damit konfrontierte, dass die Bundes-ÖVP mehr als sechs Millionen Schulden hat, wie das im letzten Format geschrieben steht.

Natürlich sagte ich Rauch nicht, woher das stammt – es ist von mehreren Seiten bestätigt. Aber jetzt keine Angst, liebe Parteigänger – werden sich schon rechtzeitig ein paar potente Spender finden, wäre ja nicht das erste Mal. Ich könnte auch im Detail schildern, wie das läuft mit Spenden von Unternehmen an die Schwarzen, halt ein wenig undeklariert – aber ich will den armen GS nicht noch mehr auf die Palme bringen. Die neuen Transparenz-Regelungen werden Spindels Mannen das Leben jedenfalls nicht leichter machen – allgemein wird vermutet, dass die in Sachen intransparente Parteienfinanzierung viel geschickter aufgestellte SPÖ ihren immer naiver agierenden Koalitionspartner ziemlich über den Tisch gezogen hat.

Wenn wir schon beim Nicht ganz die Wahrheit sagen sind: Beschlossen wurde das Transparenzpaket tatsächlich gestern Nachmittag in den Parteigremien von SPÖ und ÖVP. Dass die morgen noch eine Klausurtagung mit abendlicher Präsentation am Wiener Kahlenberg veranstalten, ist wohl reine PR-Show für die Bevölkerung (und für den roten Wiener Landesparteitag am Samstag). Man will halt demonstrieren, wie effizient man ist und wie lieb man sich eh hat. Was die morgen nicht alles erzählen werden, wie rasch, kompromisslos und wirkungsvoll man das über die Bühne brachte und so weiter! Ich merke an: Bereits im Jahr 2010 wurde von Entscheidungsträgern aller Parlamentsparteien ein Papier unterschrieben, in dem die Regelungen ziemlich so drin stehen, wie man sie nun einführt. Bloß haben die Koalitionspartner damals den bereits unterschriebenen und noch nicht nach außen kommunizierten Pakt wieder gekippt.

Jedoch zurück zum ÖGB-Chef: Die Gewerkschaft hat ja wirklich ein Anliegen und daher wollte mir der Mann eben ausführlich erklären, wie das rund um den AUA-Streit alles gelaufen ist (ziemlich dramatische Sache übrigens, die weitreichende Folgen haben könnte). Und bei Adam und Eva beginnen, was ich natürlich schon kannte. Daher mein Unterbrechen – weil ich glaubte, der will mich jetzt auch zutexten, wie Politiker das halt so tun.

Tschuldigung, Herr Foglar! War alles in allem ein sehr interessantes und informatives Telefonat zum Thema Kollektivverträge. Nachzulesen im neuen Format, österreichweit am Kiosk. Online geht´s auch.

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