Stadt und Land und nirgendwo

Ich bin ein permanent Reisender zwischen Graz und Wien. Ich vegetiere im Niemandsland zwischen den Städten, also nirgendwo. Eigentlich könnten sie die Südbahn inzwischen durchaus in Puchleitner-Bahn umtaufen. Sollte vielleicht glatt einmal bei den ÖBB nachfragen, ob das ginge. Die täten schön schauen.

Aber ehrlich jetzt, manchmal geht mir dieses Wien-Graz-Dingsbums gehörig auf die Nerven, hin und her und her und hin und nirgends bist du zuhause, fremd aber auch nicht. Was du einmal hier brauchst, ist gerade dort, oder umgekehrt. Zwar treffe ich beim Zugfahren immer wieder einmal spannende Mitfahrer. Letzten Freitag erst eine echauffierte Dame, die wegen ihrer schweren Schminke im Gesicht leicht vornüber gebeugt am Kunstledersitz lümmelte und sich beim Railjet-Kellner beschwerte: Also diese Gläser, sagte sie nasalierend, gehen nicht, daraus trinken höchstens Bauern ihren Wein, packen´S mir die Flasche ein, die trinke ich daheim. Unglaublich. Aber der Kellner hatte sich im Griff und blieb höflich, ich tat als wäre ich woanders.

Oder, ein paar Sitzreihen weiter vorne, der Grün-Abgeordnete Kogler, der sich dann in Bruck an der Mur zu mir gesellte. Wir hatten eine kleine Plauderei über das gerade vorgestellte und durchaus ein wenig fragwürdige Transparenzpaket der Regierung. Er bedanke sich auch für den Blogeintrag vom 22. April, auf den man ihn aufmerksam gemacht hatte. Liest also doch wer, das hier.

Jedenfalls sitze ich heute in der Redaktion, schau mir die 31 Grad Celsius draußen vor dem Fenster an und kann nicht ins Badeschiff rüber, weil: Badehose in Graz. Sinnkrise. Betrachte am Handy zwei Bilder, eines vom letzten Samstag, aufgenommen am Grazer Geidorfplatz. Da suchen ein paar Nerds nach Schrödingers Katze. Das gefällt mir. Sollten die Grazer in Graz doch mehr Humor aufbringen können, als ich ihnen selbst in meinen freundlichsten Einschätzungen zutraue?

Und ein Wiener Bild: Da es nun warm wird, kommen auch die Touristen wieder. Sitze am Donaukanal, kurze Pause, ein Ausflugsschiff fährt vorbei. Das ist auch nicht schlecht, ich winke einem Japan-Pärchen zu, das zu mir ans Ufer fotografiert. Zu Hause werden die von entspannt am Wasser sitzenden Wienern am frühen Nachmittag erzählen, lässige Großstadtbewohner halt, und nicht wissen: In Wahrheit handelt es sich um einen Grazer.

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