Mann im Kanal liebt Österreich

Am Tag der Arbeit sollst du ruhen. Dabei war ich heute schon ordentlich unterwegs und habe mich zwecks Recherche vor Ort bei den Wiener Maiaufmärschen ein wenig quetschen lassen. Dafür am Nachmittag dann kleine Pause von der Redaktionsarbeit. Sitze jetzt immer gerne am Donaukanal, schaue dem vielen Wasser beim Fließen zu. Ersatz für den Platz beim Spanish Arch in Galway, wo der Corrib in die Galway Bay fließt, man mit ein wenig Glück dem Fischreiher Bertie zusehen kann und rundherum nicht die hässliche Stadt ist, sondern dear old Ireland. Zwei Jahre war ich dort schon nicht mehr.

Jedenfalls, komisch: Wenn ich jetzt so sitz am trüben Wiener Wasser, schießen mir seltsame Dinge in den Kopf. Heute zum Beispiel der Gedanke an den perfekten Moment. Finde ja, das wäre eine Buchidee – oder zumindest eine spannende Website: Menschen erzählen von jenen singulären Augenblicken in ihrem Leben, an denen alles im Einklang war. Glücklich, wer je so einen hatte. Ich: ja. Irgendwann im Mai vor mittlerweile 14 Jahren, als mein Leben kurz ein Lottogewinn war. Habe von dieser Fährfahrt hinüber nach Giglio eh schon im Blog vom 16. Jänner erzählt.

Heute noch könnte ich den idiotischen Job bei der geisteskranken Telekom-Firma verfluchen, von dem ich mich damals aus dem Leben nehmen habe lassen und der alles kaputt machte. Und die Deppen unter den Menschen, mit denen ich es dort zu tun hatte. Ich bin ja sonst nicht der Aggressivste, aber wenn ich daran denke… Naja, einige Nette waren auch dabei.

Egal. Vor ein paar Tagen gab´s am Donaukanal übrigens einen Besoffenen zu beobachten, der ins Wasser fiel. I geh unta, schrie er, während er dümpelte und seine Saufkumpane oben am Kai interessiert zusahen. Der Mann schaffte es zu einer Leiter, kletterte triefend nach oben, machte auf halber Höhe halt und drehte den Kopf zur Schwedenbrücke. Ich liebe Österreich, brüllte er aus vollem Herzen, winkte den Passanten zu, stieg dann weiter aufwärts und setzte sich oben wieder zu seinen besoffenen Kollegen. Er griff sich eine neue Bierflasche und trank ungerührt weiter.

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