Wie der Pfirsichkern zum Lutz kommt

Beim Reformieren der Steiermark sind sie nicht wirklich superschnell unterwegs, auch wenn sich der Landesha Voves und sein Stellver Schützenhöfer gerne als die „Reformzwillinge“ abfeiern lassen. Beim Eröffnen hingegen sind die zwei (die ich persönlich ja mehr für Reformzwerge halte) so richtig Speedy Gonzales.

Heute folgte ich nur so zum Spaß einmal ihrer Einweihungsspur. Früher Morgen, Burghof in Graz: Der Landeshauptmann, sein Stellvertreter und ein paar Pflichtadabeis aus der Entourage (sogar die Justizmini war mit von der Partie, weiß der Himmel warum) weihten einen bronzenen Pfirsichkern ein (Bild: Stadt Graz / Foto Fischer).

Nein, Sie haben sich nicht verlesen. Pfirsichkern.

Weil irgendein seltsamer Vogel glaubt, herausgefunden zu haben, dass exakt an jener Stelle, an der das Ding nun steht, der Mittelpunkt von Graz ist. Mittelpunkt, Kern, Pfirsich – können Sie folgen? Künstlerische Umsetzung halt, in Graz sind sie der Meinung, so etwas ist kreativ.

Wenig später trudelt die nächste Presseaussendung in die Mailbox: Zu Mittag eröffneten der Landesvoves und sein Schützenvize ein Rüsthaus der Feuerwehr in Mariazell (Bild: Land Steiermark / Life Pictures). Auch wichtig, sicher alles echt schwer wiegende Reformvorhaben. Kein Wunder, dass den beiden da nicht mehr soviel Zeit bleibt, sich um die sozialen Anliegen ihrer Bürger zu kümmern, die nach den vielen blindwütigen Kürzungen der vergangenen Monate auf der Strecke bleiben.

Ich wollte natürlich auch noch beobachten, was die Reformzwillinge am Nachmittag alles eröffnen würden, verlor sie wegen ihres haarsträubenden Tempos jedoch prompt aus den Augen.

Also beschäftigte ich mich näher mit dem Kern in der Grazer Mitte. Der steirische Landespressedienst liefert dankenswerterweise in seiner Jubelaussendung gleich eine Anleitung, wie man den Punkt, welcher der Kern der Stadt sein soll, überhaupt finden konnte. Und das ging so:

Verbindet man die Eckpunkte, schreibt der Landespressedienst (alles in allem schon ein bissl eine Gauklertruppe), des Vierecks rund um die Grenzen des Grazer Gemeindegebietes mittels Diagonalen, so erhält man an deren Schnittpunkt in Folge den

Mittelpunkt der Landeshauptstadt Graz. Das berechnete Zentrum ist mittels einer gravierten Aluminiumscheibe exakt im dritten Hof der Grazer Burg gekennzeichnet und niveaugleich auf der Asphaltfläche befestigt.

Aber Niveau, gleich! So etwas spornt mich nämlich an. Ich hab es nachgeprüft und leider, liebe Leute: Weil ihr vermutlich die Termini „Viereck“ und „Rechteck“ oder meinetwegen „Quadrat“ ein wenig durcheinander gebracht habt (ich selbst bin ja auch kein großer Mathematiker): Macht man es exakt wie von euch angegeben, landet man woanders. Und I am terribly sorry, euch mitteilen zu müssen: Der Mittelpunkt von Graz liegt nach eurer Methode genau in einem Möbelhaus der Firma Lutz (die Position des Kerns ist am Foto in etwa durch das rote A markiert, während sich die Diagonalen ziemlich genau im XXXLutz kreuzen).

Blöde Geschichte, echt. Aber die Familie Putz aus der Werbung wird das sicher freuen, wenn demnächst der Landeshauptmann vorbei schaut und für die Korrektur-Einweihung den großen Pfirsichkern mitbringt…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s