Eine Frage der Titel

Ich habe mich jetzt lange damit zurückgehalten, etwas zum Thema Titel zu schreiben.

Nein, keine Angst – nicht darüber, dass ich seit ein paar Wochen „Master of Arts“ bin, weil Studium endlich abgeschlossen. Früher hätte man „Magister Artium“ gesagt, auf Neudeutsch irgendwie so: Meister der Künste. Aber mit diesem altmodischen persönlichen Zeugs lasse ich Sie eh in Ruhe.

Mit brennt vielmehr schon seit Wochen ein Blogpost unter den Nägeln, der sich mit verschiedenen Titeln von Presseaussendungen befasst. Ich kann es nicht anders sagen: Unglaublich, welchen Schwachsinn manche Presseleute von sich geben. Und abseits absurder Formulierungen gehen die Headlines der PR-Schreiber zumindest sehr oft völlig an allen journalistischen Bedürfnissen vorbei.

Wenn ihr wüsstet, liebe Auftraggeber diverser PR-Botschaften, welche Schrott-Texte euch viele Einzelberater und Agenturen da immer wieder für teures, teures Geld andrehen. Ihr könntet eure Euronen genauso gut für die Wiedererstarkung Griechenlands spenden.

Natürlich habe ich, ziemlich wahllos aus meiner Mailbox herausgesucht, einige Beispiele für Sie:

PA_OEBMV_E-10 – sagt der Hausverstand.

So betitelt der Biomasse-Verband seine jüngste Presseaussendung. Ehrlich. Abgesehen davon, dass mir sowieso nicht ganz klar ist, warum der Biomasse-Verband mir als Innenpolitik-Redakteur einen Text schickt: Mit so einem Titel kann die Sache nur im Mistkübel der Redaktion landen, noch bevor sich jemand das Ding genauer ansieht und herauszufinden versucht, was „PE_OEBMV_E-10“ ist.

Oder dann noch eine Barbara Frank vom Naturschutzbund Österreich, sie schickt mir eine wie folgt betitelte Aussendung:

Mit vielfaltleben & Thomas Brezina den bedrohten Alpenbockkäfer retten!

Keine Ahnung erstens einmal, was „vielfaltleben“ ist. Ein Rechtschreibfehler? Ein esoterischer Birkenstocksandalenträger-Club? Die Weiterentwicklung (weil scheinbar Thomas Brezina mit an Bord ist) von Tom Turbo? Warum aber rettet der den Alpenbockkäfer? Und was genau habe ich in der FORMAT-Politik-Redaktion damit zu tun? Ich kann nur sagen: Ein Titel, der so richtig hinüber ist.

Und da habe ich mich noch gar nicht über das Rufzeichen an seinem Ende ausgelassen – Todsünde aller, die Texte für Medien machen. Lassen Sie das bitte, liebe PR-Schreiber. Überkleben Sie am besten das Rufzeichen auf ihrer Tastatur. Glauben Sie mir: Wenn Sie´s verwenden, macht das Ihren Texten keinen schlanken Fuß. Und wenn wir schon dabei sind: Graphische Symbole wie zum Beispiel ein „&“ stören den Lesefluss und sollten nie, nie, nie verwendet werden. Sie schreiben ja, liebe Damen und Herren in den PR-Agenturen und Pressestellen, keine Preisauszeichnung oder Buchhaltungszeile, sondern: einen Pressetext.

Ein wenig degeneriert scheint mir inzwischen auch der steirische Landespresedienst, der sich offensichtlich in den Dienst privater touristischer Anbieter stellt. Für die ist es zwar sicher günstiger, Presseaussendungen aus Steuergeldern der Bürger zu finanzieren, als selbst teure Agenturen zu beauftragen. Aber ich weiß nicht, gerade in der budgetär ziemlich marodierenden Steiermark: Ist das moralisch so richtig einwandfrei? Seriöse Wirtschaftsförderung sieht anders aus.

Jedenfalls schickt mir der Landespressedienst einen Text mit folgendem Titel:

20 Jahre im Zeichen der Gesundheit. Jubiläumsfest des Thermenhotels Radkersburger Hof.

Habe ernsthaft überlegt, wie das Zeichen der Gesundheit aussehen könnte. Ich hätte ja ein wenig naiv auf eine stilisierte Äskulapnatter getippt, die im Logo dieses Hotels allerdings nicht vorkommt. Aber: eh wurscht – weil ich keine Ahnung habe, was ich als Politik-Journalist mit dem Thema anfangen soll. Habe das Jubiläumsfest auch nicht besucht.

Sehr kryptisch auch folgender Titel einer Aussendung des Frauenberger Instituts – ich habe nur eine höchst schwammige Vermutung, was die damit meinen könnten:

Medien Messe Migration ist unverzichtbare Meinungsmacherin.

Immerhin, die Aliteration ist schön, das hat ja glatt was. Blöd nur, dass es hier nicht ums Dichten geht, sondern um Informationsvermittlung. Außerdem würde ich, aus der Erfahrung zahlloser Kontakte mit nur fast so guten PR-Leuten klug geworden, ja beinahe vermuten: Das mit dem Stabreim ist denen wahrscheinlich eher irrtümlich passiert. Damit jetzt kein Missverständnis entsteht: Ich kenne durchaus auch eine Reihe erstklassiger PR-Leute, die echte Auskenner sind und ihre Sache ausgezeichnet machen. Es gibt auch wirklich gute Pressetexte.

Warte jedenfalls gespannt, was als nächstes in der Mailbox eintrudelt.

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