Out of Business

Ein bissl mehr geht immer. Wegen großen Erfolges (überraschend viele Zugriffe auf den gestrigen Blogpost) schaue ich heute gleich noch einmal in die Mailbox – und siehe da, man kann noch eins drauflegen.

Aus dem Lebensministerium unseres umtriebigen Umweltminis (an guten Tagen schickt er bis zu vier oder fünf Presseaussendungen auf die Reise): Der Titel der heutigen Aussendung ist in Ordnung – dafür hakt es diesmal beim Untertitel, von „6 multivisionellen Themeninseln“ ist da die Rede.

Natürlich stört mich die „6“. In den ersten fünf Minuten jedes Schreibseminars lernt man: Alle Zahlen von eins bis zwölf gehören in nicht mathematischen Texten ausgeschrieben. Aber noch mehr beschäftigt mich die Bezeichnung „multivisionelle Themeninsel“. Das Wort „visionell“ kennt nämlich nicht einmal der Fremdwörter-Duden. Es gibt „visionär“, es gibt „visuell“, es gibt „Vision“, es gibt auch „visualisieren“ oder „funktionell“, meinetwegen sogar „multifunktionell“. Aber: multivisionell?

War vor zwei Wochen schon die Verwendung des Ausdrucks „Parke“ als Plural von „Park“ in einer vom Ministerium abgesetzten Meldung schwer originell (fast wäre ich ja versucht zu schreiben: multioriginell), so ist das von heute sprachlich wohl doch ein bissl eine, naja: Insellösung.

Und dann erhielt ich heute noch ein Mail von einem Absender „Business Mamas Öffentlichkeitsarbeit“. So etwas sticht natürlich sofort ins Auge. Ich habe nämlich absolut keine konturierte Vorstellung, was genau eine „Business Mama“ ist. Der Text schafft leider nicht Klarheit – er beginnt wie folgt, ich gebe das gerne im Original weiter:

PRESSEINFO „SVA Urbefragung nur eine Feigenblattaktion?“

Vorweg das aus unserer Sicht Erfreuliche: Die von FO.FO.S, den Amici delle SVA und den Business Mamas initiierte Petition mit 10 konkreten Forderungen zur Verbesserung der Situation des SV-Systems für Selbständige bereits 2.500 Unterschriften hat. Ganz und gar nicht erfreulich finden die Business Mamas, ebenso wie die Amici delle SVA und EPU-Fachfrau Martina Schubert von FO.FO.S das, was nun als Ur-Befragung der SVA vorliegt.

Holy Moly aber jetzt. Das ist wirklich der katastrophalste Pressetext, der mir in den vergangenen zwei oder drei Jahren untergekommen ist. Und glauben Sie mir, ich habe Dinge gesehen, die wollen Sie sich nicht einmal vorstellen.

Lassen wir einfach beiseite, dass eine korrekte Grammatik Sache der Verfasserin des Textes offensichtlich eher nicht ist – und der erste Satz nach dem Doppelpunkt ein wenig nach Yoda-Sprech klingt. Der alte Jedi-Meister aus Star Wars tätert sagen: Das hier, schönes Deutsch nicht es ist, hart an dir arbeiten du musst.

Davon abgesehen, allein schon der Titel! Ein Fragezeichen zu Beginn einer Presseinfo, das geht ja gar nicht.

Liebe Business Mamas Öffentlichkeitsarbeit, ihr habt da grundsätzlich was ganz falsch verstanden. Nicht umsonst heißt es nämlich „Presseinformation“. Information. Da informiert man und stellt keine Fragen.

Das machen dann schon wir Journalisten. Zum Beispiel: Was zur Hölle ist „FO.FO.S.“?

Kompetente Kommunikatoren würden auch nicht per se voraussetzen, dass jeder die „Amici delle SVA“ kennt (ich schon – aber auch nur, weil ich einmal eine Geschichte über die völlig zu Recht aufmüpfige Facebook-Gruppe der Einpersonenunternehmen gemacht habe). Wo sind außerdem die angesprochenen zehn (nicht: 10) konkreten Forderungen? Die muss man in so einem Pressetext dann schon noch einmal anführen.

Und so weiter und so fort. Dem Text der Mamas liegt sogar noch eine weiterführende „Analyse“ bei: So viele Fehler in so zahlreichen so schlecht formulierten Sätzen habe ich schon lange in keinem Pressetext mehr entdeckt.

Mein Tipp, liebe Mamas: Besucht bald einen Volkshochschulkurs in Deutsch. Wenn ihr so weiter macht, seid ihr sonst nämlich ganz schnell einmal out of Business.

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4 Gedanken zu “Out of Business

  1. Ja ja, das kommt vom "Hud'ln". Da gab es einen Pressetext der Amici delle SVA, der musste schnell raus, und die Business Mamas – ein Österreich weites Netzwerk beruflich selbständig tätiger Mütter – hat sich bereit erklärt, diesen Text an ihren entsprechenden Verteiler zu schicken. Die Business Mamas machen das kostenlos und gerne und in ihrer Freizeit, womit diese schon wieder zur Arbeitszeit wird, weil es ihnen ein Anliegen ist, die Initiative der Facebook-Gruppe "Amici delle SVA" für ein gerechtes SV-System zu unterstützen. Gerade beruflich selbständig tätige Mütter, und da ganz besonders Alleinerzieherinnen, können die Ungerechtigkeiten im SV-System hart treffen. Jetzt können Sie ganz zu Recht sagen, dass eine untentgeltliche Leistung keine unprofessionelle Leistung sein darf. Die Business Mamas arbeiten professionell, jede in ihrem Bereich aber auch in der Öffentlichkeitsarbeit. Nur in diesem Fall geschah die Aussendung des Textes für die Amici unter einem großen Zeitdruck. Auch all jene Mitglieder der Amici delle SVA, die aktiv tätig sind, arbeiten unentgeltlich und so gut es ihre zeitlichen Ressourcen ermöglichen neben ihrer Selbständigkeit. Ein bisschen was verdienen müssen wir ja auch, um nicht ein Exekutionsverfahren der SVA am Hals zu haben (womit ich mich spätestens jetzt sowohl als Business Mama als auch als Amici delle SVA geoutet habe). Tja, und wenn es vor dem Verschicken mehrfach Textüberarbeitungen gibt, um Wünsche von Mitglieder der Amici einzuarbeiten, kann es dann schon passieren, dass beim Löschen oder Ergänzen ein Wort zu viel oder zu wenig geschrieben wird. Und da kommt dann Meister Yoda ins Spiel. Das ist halt so in einer gelebten Demokratie, wie es bei der Facebook-Gruppe Amici delle SVA der Fall ist. Und passiert leider dann, wenn ein Text unter großem Zeitdruck verschickt werden soll. Ich fände es allerdings schade, wenn die Textanalyse der Aussendung den Sinn der Sache, nämlich das Bemühen um ein gerechtes SV-System für Selbständige bzw. die kritische Analyse der Fragen zur SVA-Urbefragung, überdecken und in den Schatten stellen würde.So, jetzt bin ich gespannt, ob es zu diesem Text auch eine Analyse gibt. :)Herzliche Grüße,Verena (darf man das schreiben, oder sind "herzliche Grüße" in einem Blog ein No-Go?! Jetzt bin ich schon ganz verunsichert… 🙂 )

  2. Herzliche Grüße kann man fast immer schreiben (nur in Presseaussendungen lieber nicht).Ich lasse den Kommentar lieber unanalysiert. Nur ein Hinweis: eine Aussendung einen Tag nach einer Pressekonferenz ist in der Welt der Medien nicht Hudeln, sondern viel zu langsames Schneckentempo. In der Sache halte ich die Forderungen der Amici für vollkommen berechtigt und höchst ehrenvoll. In diesem Blog darf ich privat sagen (im Format muss ich neutral sein, da geht das nicht): Sie sind zu unterstützen.Trotzdem würde ich jetzt doch gerne noch wissen: Was in aller Welt ist "FO.FO.S."?Herzliche Grüße auch,Klaus Puchleitner.

  3. Mit dem "Schneckentempo" gebe ich ihnen aus professioneller Sicht Recht. Aber wie gesagt, jene Amici delle SVA, die sich aktiv für die Sache einsetzen, arbeiten unentgeltlich und so gut es halt die Ressourcen jedes/jeder Einzelnen neben dem meist sehr aufwendigen Job zulassen. Und dann gibt es einfach Tage, an denen es bei allen Beteiligten diesbezüglich knapp ist. Aber ich finde, für das, dass wir, wie Werner Brix einmal so schön formulierte "ein chaotischer Haufen" sind, haben wir schon einiges bewegt, auch medial.FO.FO.S ist das Forum zur Förderung der Selbständigkeit, und beschäftigt sich seit 2000 mit dem Thema Ein-Personen-Unternehmen. Das Team von FO.FO.S entwickelt Produkte und führt Projekte durch, um GründerInnen, Ein-Personen-Unternehmen (EPU), Neue Selbständige und Mikrobetriebe zu fördern. Die Geschäftsführerin Martina Schubert hält Vorträge zur Situation von Ein-Personen-Unternehmen und Seminare für Ein-Personen-Unternehmen. Mehr dazu auf http://www.fofos.at. Dass die Amici delle SVA Ihre (ganz private) Untestützung haben, freut mich!Einen schönen Abend,Verena Bittner http://www.fofos.at.

  4. Ist eh okay, Frau Bittner.Würden wir Journalisten nicht überall was finden wollen, über das wir motzen können, wären wir ja komplett unglücklich, würden krank und verursachten damit der SVA höhere Kosten, was sich wiederum negativ auf die Mitgliedsbeiträge auswirken…Fakt ist: Ihre Facebook-Gruppe war im letzten halben Jahr ganz schön prominent in den Medien vertreten, also werden Sie wohl eh das meiste richtig machen. Unabhängig davon, woran ich was auszusetzen hätte oder nicht. Passt also schon!LG Klaus Puchleitner.

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