Presserat

Na huch! jetzt aber. Jürgen Beilein von der Agentur „zbc3“ bringt den Presserat ins Spiel und ich weiß gar nicht, ob ich mich jetzt fürchten muss. (Kleines Scherzerl – ich weiß natürlich, dass ich mich nicht fürchten muss). Die Geschichte lief so:

Die Facebook-Gruppe „Amici delle SVA“ (das sind jene Einpersonen-Unternehmen, die seit Monaten gegen den ruppigen Umgang der Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft mit ihresgleichen mobil machen) rennt gegen die gerade laufende SVA-Urbefragung Sturm. Urbefragung: Die Sozialversicherung will (auf ziemlich hanebüchene Weise, möchte ich anmerken) von allen ihren Mitgliedern wissen, was man besser machen könnte. „Suggestive Fragestellung“, monieren die Amici. Ich hab im aktuellen Format (ab Donnerstag Abend in Wien in der Kolportage) eine Meldung dazu recherchiert und geschrieben.

Da gehört es sich, dass man Stellungnahmen einholt. Zum Beispiel dem SVA-Vizechef Peter McDonald die Möglichkeit gibt, seine Sicht der Dinge darzustellen. Also Anruf bei McDonalds Assistent – der hört sich alles an und sagt, sein Chef ruft bald zurück.

Stunden später meldet sich dann eben Beilein und will noch einmal von vorne wissen, worum´s geht. Er ist externer Berater von Herrn McDonald und fand es wohl notwendig, sich zu involvieren, soll sein. Er werde schauen, was sich machen lässt, erklärt er. Redaktionsschluss, sage ich darauf, inzwischen drängt die Zeit.

Dann schicken Sie die Fragen doch per Mail, bittet Beilein. Mache ich glatt.

Schnell kommt ein Mail zurück, in welchem Beilein sich über die Art der Fragestellung mokkiert. Tendenziös, die Distanz fehle und er wolle wissen, wer meine Informanten seien. Erkläre ihm, dass wir das in der Redaktion schon so halten, dass wir unsere Fragen selbst formulieren und ich der Sozialversicherung gegenüber eher nicht offenlegen muss, bei wem ich sonst noch recherchiere.

Das nächste, was ich zu sehen kriege, ist ein Mail des Chefreds. Was da los sei, möchte er sinngemäß wissen (und wohl auch ein wenig irritiert – an Redaktionsschlusstagen hat der wirklich andere Dinge zu tun). Beilein hatte sich tatsächlich beschwert und den Boss um dein Eingreifen in der Sache gebeten. Das bringt zwar genau null, zeigt aber doch ein wenig, wes Geistes Kind der Mann (Beilein, nicht der Chefred) ist. Und wohl auch, wie man in SVA und Umfeld zu denken gewillt ist.

Aber es geht weiter. Ganz begnadeter Detektiv, hat Beilein heraus gefunden, dass ich auf der Seite der Amici auf Facebook als „Mitglied“ registriert bin. Eh klar – man kann sonst nicht sehen, was dort abgeht. So etwas nennt sich einfach: Recherche. Beilein schießt einen Screenshot und urgiert beim Boss fehlende Neutralität des Redakteurs.

Jetzt macht mich so etwas ja aber eher neugierig, als dass es mich schreckt. Ich sehe dann meistens einfach genauer hin, und: Caramba, Beilein ist dort auch als Mitglied regstriert (vermutlich zu Zwecken der Feindbeaobachtung, was ja völlig okay ist)!

Frage: Warum darf ein SVA-Berater auf einer Website von SVA-Kritikern regsitriert sein, ohne dass das problematisch ist – und ein Journalist, der recherchiert: nicht? Ich merke Beilein gegenüber an, für welch spannendes Thema ich das halte. Na, mehr hat´s nicht gebraucht.

Hoffe, ich darf das nicht als unterschwellige Drohung verstehen, antwortet Beilein prompt. Und bringt in nullkommanix den Presserat ins Spiel. Wie eingangs angeführt: Huch jetzt!?

Ganz unabhängig vom pikierten Herrn Beilein: Ich kann mit lächerlich agierenden, selbst ernannten Sprechern von Menschen, die eh nicht sprechen wollen, immer weniger anfangen. Das ist alles so unendlich ermüdend und dieses Hin-und-her-Gezerre um nichts und wieder nichts: sinnlos. Dazu geht mir die Institution Sozialversicherung mit ihrer Informationspolitik eines Betonmischers inzwischen auch schwer auf die Nerven. Immerhin rief bereits acht Stunden nach meiner Erstanfrage ein SVA-Direktor zurück (natürlich nicht Mister McDonald). Dass er sämtliche Vorwürfe der Facebook-Gruppe und überhaupt alles (egal, was) zurückwies: keine echte Überraschung.

Und jetzt noch Achtung, Herr Beilein, falls Sie das hier lesen: bitte cool bleiben.

Hier darf ich das nämlich alles sagen, weil´s meine Privatmeinung ist. Bei sämtlichen FORMAT-Geschichten bin ich streng neutral. Darum steht natürlich auch in der kleinen Geschichte, die morgen Abend erscheint, brav drin: Die SVA weist alle Vorwürfe zurück. Eben wie es sich gehört. Von einem unserer Chefreds gegengelesen und für okay befunden (ich erwähne das nur, um Ihnen weiteren Beschwerde-Mailverkehr zu ersparen).

Und ehrlich jetzt: Ich freu mich schon richtig auf den Presserat! Dort war ich nämlich noch nie und ich bin überzeugt: Wenn die hören, was Sie möglicherweise vorzubringen gedenken, werden wir es alle lustig haben.

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