Steiermark

Regeneration vom Format für zwei Wochen, in dieser Zeit: Recherche für eine Geschichte im Schwestermagazin „Golfrevue“. Tut richtig gut, nach längerer Pause wieder einmal auf Golfplätzen unterwegs zu sein.

Es geht ums Thema „Golf und Genuss in der Südsteiermark“ – danke Kollege Nadizar, für den Schreibauftrag. Aber ich bin da zweifellos glasklar der richtige Mann, ist ja praktisch Heimat. Und Genießen: sowieso meines – mein Bäucherl, welches ein stattlicher Bauch ist, möge als Zeuge herhalten.

Heute zwecks Recherche kleine Rundreise, vorbei an Buschenschenken, Winzern und sonstigen Feinheiten zwischen Weinstraße im Westen und Vulkanland im Osten. Starte im Schloss Seggau, das hoch über Leibnitz einen weiten Blick ins südsteirische Land erlaubt. Der freundliche Helmut Kirchengast, Chef von Hotel- und Schlossanlage, zeigt mir persönlich die Bischofsräume, sonst blickdichtest verschlossen und bloß bei seltenen – sowie teuren – Veranstaltungs-Gelegenheiten geöffnet. Der Mann läutet sogar eigenhändig die „Steirische Liesl“ für mich, größte Glocke des Landes. Er stemmt den Schlegel, der sicher hundert Kilo hat, mit aller Gewalt gegen die Kupfer-Zinn-Mischung, ein satter Gong kommt auf die Welt und hallt lange, lange nach. An Feiertagen läuten vier Mönche das Ding nach wie vor von Hand per Hanfseil, man kann dabei zusehen.

Danach Walter Polz, ein formidabler Wein- und seit neuestem auch Champagner-Macher. Man hat, genau oben an der Kuppe des Pössnitzberges bei Leutschach, vor ein paar Jahren das damals marode Tscheppe-Weingut gekauft und es umgestaltet. Jetzt heißt die Sache „Gut Pössnitzberg“ und drei-Hauben-Koch Gerhard Fuchs werkt im dazugehörigen „Kreuzwirt“. Geheimtipp: Unter der Woche bekommt man dort derzeit noch relativ leicht ein Platzerl, vorher anrufen sollte man allerdings doch.

Nach einem Rundgang durch die „Champagnerie“ (täglich werden ein paar tausend Flaschen von Hand gerüttelt“) stehe ich mit dem Herrn Polz bei einem Glaserl seines eigenen Sektes vor dem Haus (Verkauf derzeit ausschließlich ab Hof, also vorderhand ein exklusives Vergnügen). Dort drüben, sagt der Meister der Winzer und deutet auf die Weingärten gegenüber, war bis vor kurzem noch ein Wald. Er habe den Grundbesitzer jedoch in insgesamt sechs spätabendlichen „Gesprächen“ von einer Rodung überzeugen können. Sechs Nächte lang hab ich mir diesen Blick mühevoll ersoffen, grinst Polz.

Dann Übersetzen über das zähe braune Wasser der Mur, stark angeschwollen als Folge der obersteirischen Unwetter, und Fahrt nach Klöch ganz im Osten des Landes, hart an der slowenischen Grenze. Dort spielt man seit drei Jahren Golf, ein mutiges Unterfangen. Habe die Betreiber des Projektes schon seit jeher bewundert, denn: Klöch? Ich meine: Wein ja, ein bissl Radfahren, vielleicht Wandern. Aber Golf?

Leonhard Wörndl-Aichriedler allerdings, Salzburger Chef des Platzes und Betreiber auch der Römergolf-Anlage in Eugendorf beim Mattsee, scheint zu wissen, was er tut. Im Projektstadium hat er alles vom Golfmoloch Murhofgruppe übernommen, dort hat man sich über die Sache wohl nicht so recht drüber getraut. Seit drei Jahren ist der Platz nun in Betrieb, nächstes Jahr möchte Wörndl-Aichriedler seine Klöcher Löcher in die schwarzen Zahlen bringen. Im Cart führt er mich über den Platz, ich kann berichten: Sieht gut aus, trotz Hitze super im Zustand, nicht allzu schwer, wenige und harmlose Hindernisse, touristengerecht halt. Empfehle den Abschlag.

Als ich wieder heimkomme nach Graz, brechen kurz Himmel und Hölle los, schwerster Wolkenbruch. Sitze am Balkon, lasse den Starkregen schwappen und nippe am Polz-Sekt. Ein netter Steiermark-Tag, genau so mag ich die Heimat.

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