Sport

Ich habe mit vielen Sportlern gesprochen, in den vergangenen Tagen. Und so richtig schaurige Geschichten gehört.

Über eine Olympia-Teilnehmerin zum Beispiel, die sich nicht professionell auf London vorbereiten konnte, weil der vom Verband aufs Auge gedrückte Trainer den ganzen Mai über einfach auf Urlaub ging. Und die sanft, aber nachdrücklich überredet wurde, der außertourlichen Kündigung ihres Heeressportler-Vertrages zuzustimmen – zeitlich erstaunlich parallel zu intern vorgebrachter Kritik am Verband.

Über einen andern Olympia-Teilnehmer, der ohne Physiotherapeutin in einen Wettbewerb gehen musste (nicht bei Olympia), weil der Verband kurzerhand die Tochter des Vizepräsidenten mitgeschickt hatte. Die dann vor Ort schnell krank wurde und hauptsächlich darum bat, in Ruhe gelassen zu werden. Ersatz gab es keinen.

Von einem Top-Auskenner der Branche, der sinngemäß sagt: Die, die im heimischen Sport das Sagen haben, kennen sich nicht aus, allen voran der Minister. Aber vor den Vorhang will er damit nicht, weil seine Jungs gerade in den Spitzensport hineinwachsen – und er Angst hat, dass es ihnen schwer schaden könnte, wenn er mit seiner Meinung nicht hinter den Berg hält.

Eine Ex-Spitzensportlerin hat vorsichtig ein paar Dinge ausgeplaudert. Aber sie arbeitet inzwischen für einen Politiker, der im heimischen Sport zumindest formal etwas zu sagen hat. Als dessen Stab vom Gespräch erfuhr, gab es sofort Druck – und die Frau rief entnervt an, um den größeren Teil ihrer Statements wieder zurückzunehmen.

An die 70 Prozent der Sportfördermittel, ließ man mich über ein paar Ecken (es geht im heimischen Sport ja ein bissl zu wie bei der Mafia) glaubhaft wissen, verschwinden in einem Verband. Nicht ohne anzufügen: Um Gottes Willen nicht schreiben, welcher das ist, am besten vielleicht gar nichts schreiben.

Wenn ich mich an übereinstimmende Schilderungen verschiedener ehemaliger Angehöriger diverser Auswahlteams eines anderen Verbandes erinnere, die ich in den vergangenen Jahren immer wieder zu hören bekam, kann ich mir das gut vorstellen: Die Geschichten sind Legende, wonach kleine Jugend-Teams zu Wettkämpfen um die halbe Welt geschickt wurden, jeweils begleitet von einer doppelt bis dreimal so starken Funktionärsmannschaft. Die jungen Spielerinnnen und Spieler wurden in jugendherbergsartigen Unterkünften abgestellt, abends mit Pizzalieferungen verpflegt. Während die Funktionäre jeweils in durchaus feinen Resturants speisten und in nicht allzu schlechten Hotels logierten.

Sport in Österreich halt. Eine ziemlich schlimme Sache.

Das Heer von Funktionären in der Hundertschaft von Verbänden ruiniert mit einer unglaublichen Portion Selbstgefälligkeit alles. Die Jungs und Mädls im Sportministerium, welche die Dinge richten sollten, sind sowieso eher Dilettanten (das sage nicht ich, sondern unisono Aktive und nicht mehr Aktive, die sich wirklich auskennen).

Trotzdem muss ich anmerken: Die Kollegen vom „News“ haben nun schon ein bissl übertrieben, als sie in ihrer aktuellen Ausgabe schrieben, 500 Millionen im Jahr werden verpulvert. Ich habe ja auch ziemlich viel recherchiert und weiß daher: bei weitem nicht.

Wieviel genau und woher die ins Nirwana diffundierende Marie stammt, können Sie im neuen Format nachlesen. Aber leider halt auch vieles, was im Sport passiert: nicht. Weil sich eben niemand traut, das auch offiziell zu sagen und in ein Aufnahmegerät zu sprechen. Und auch, weil ich ja schon ein bissl anständig bin und durch rücksichtsloses Publizieren einzelnen Sportlern keine Schwierigkeiten bereiten möchte.

Denn effizient sind die katastrophalen österreichischen Verbands-Sportfunktionäre nur in einer einzigen Disziplin: beim Hinschlagen, wenn ein Sportler aufmuckt.

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