Stronach und wir Kirchenmäuse

Gerade kommen mir meine ersparten 97 Euro besonders mickrig vor. Denn eine ganze Woche lang beschäftigte mich eine Story über Superreiche, die es in die Politik zieht oder zog.

Bloomberg 16 Milliarden, Berlusconi 7 Milliarden, Blocher und Stronach über 2 Milliarden und so weiter – da fühlst du dich schnell einmal arm wie eine Kirchenmaus. Was ich vergleichsweise ja eh bin.

Interessant natürlich, sich von Politik-Experten erklären zu lassen, was die Milliardäre und Millionäre antreibt. Warum sie ihr Luxusleben freiwillig gegen die Stürme tauschen, die in der Politik wehen. Dort bläst es dich nämlich ziemlich leicht um, egal wie fest verzurrt du finanziell dastehst. Man kann das ja am Beispiel von Frank Stronach gut beobachten, der gerade seine unternehmerische Reputation eines Lebenswerks im grellen Scheinwerferlicht der öffentlichen Aufmerksamkeit abfackelt.

Erstaunlichste Erkenntnis, die ich bei der Recherche hatte: Stronach macht auf geradezu groteske Weise so gut wie alles falsch, was man falsch machen kann. Und das, obwohl er besten Willens ist, wie mir mehrere profunde Kenner des Milliardärs bestätigten. Der Mann dürfte schlicht zu 2,40 Milliarden Prozent beratungsresistent sein.

Ich will nicht herumgscheiterln vom Scheiterln. Aber ich weiß schon ein bissl, wovon ich rede. Immerhin habe ich das Handwerk der PR-Beratung von der Pike auf erlernt – und zwar der seriösen PR-Beratung. Nicht dieses wir-sind-alle-voll-superlässige-Alleschecker-und eine-Pressemeldung-machma-sowieso-mit-links-Dingsbums. Ich habe in meinem Berufsleben auch schon für halbwegs viele Unternehmer und Unternehmen an deren medialen Auftritten geschliffen. Und war früher in einem superseriösen Medium Wirtschaftsredakteur, habe jetzt als Politik-Journalist einen halbwegs guten Einblick, wie das Geschäft läuft.

Also frage ich mich doch eher entsetzt: Was um alles in der Welt hat Stronach bloß für Leute, die ihn in solche Messer rennen lassen? Allein schon, wie er sich in der Puls-4-Diskussion vor ein paar Tagen vom höchst respektablen Wirtschaftsmann Raidl vorführen ließ. Ich meine: Wenn du dir Volksnähe auf deine Fahnen schreibst, dann musst du für den Klassiker („Was kostet ein Liter Milch im Supermarkt, na Frank?“) schon gewappnet sein. Sowas checken in der Vorbereitung einer TV-Diskussion selbst mittelgute Berater im Halbschlaf mit links.

Aber ich weiß ja aus erster Hand: Stronach bereitet sich nicht vor. Und ich habe beim Recherchieren auch die eine oder andere kuriose Story gehört, wie er sein an sich vorhandenes Bauchgefühl kurz vor öffentlichen Auftritten ab und zu ein wenig betäubt, nur lassen wir das hier lieber.

Jedenfalls: Im neuen FORMAT steht, wer die Strippenzieher im Frank-Team sind, welcher ÖVP-Politiker (keiner aus der ersten Reihe) als erster zu Stronach überlaufen könnte, wie der Milliardär tickt (und andere auch, von Berlusconi in Italien über Bloomberg in New York bis zum rechten Blocher in der Schweiz), was ihn antreibt und woran er scheitern könnte.

Korrektur, ich merke an: Scheitern wird, wenn er so weitermacht. Aber wenigstens kirchenmausarm wie die meisten von uns wird Stronach nie mehr sein.

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